#MyVeganStory – Was ich noch sagen wollte…

#MyVeganStory – Was ich noch sagen wollte…

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Wenn ein Mensch seelischen Schmerz erleidet, so sucht er instinktiv ein Ventil, um diesen loszuwerden. Am ehesten wird er da wieder rausgelassen, wo er herkommt – eine ganz natürliche Reaktion. Das Bedürfnis jemanden zu verletzen der uns verletzt hat ist ganz normal und nichts, wofür man sich schämen müsste. Es ist Menschlich. Den Unterschied aber macht es, ob man diesem Bedürfnis nachgeht – oder sich eben dieser natürlichen Reaktion bewusst wird und anders handelt als gewöhnlich. „Du hast mir weh getan und ich will dir weh tun – aber ich tue es trotzdem nicht“ macht hier den Unterschied.

Was zur Hölle aber hat das jetzt mit meinem Essverhalten zu tun? Die Antwort ist ganz Simpel und dennoch für viele Unverständlich. Und auch ich habe lange gebraucht, um es selbst zu verstehen. Aber seitdem ich es verstanden habe fällt mir einiges in diese ein Hinsicht sehr viel leichter.

Für mich hat jedes Lebewesen dieser Erde ein Recht zu leben, ein Recht darauf würdig zu leben. Mein Herz sagt mir, dass ich keinem Tier Leid zufügen möchte, denn ich hab sie ganz einfach fürchterlich gern. Tiere haben mir schon seit meiner Kindheit unfassbar viel Liebe gegeben, einzig und allein durch Beobachten und Anfassen. Tiere werten dich nicht, sie können dich vielleicht sogar bedingungslos lieben oder dich nur durch ihren Anblick erfreuen. Kein Tier hat mir jemals Leid zugefügt – und deshalb werde ich auch keinen Tier mehr Leid zufügen. Es ergibt für mich keinen Sinn. Es wäre, als würde ich eine gute Freundin mit Steinen bewerfen.

Und so stehe ich oft da und muss zusehen, wie andere Leute meine Freundin mit Steinen bewerfen. Obwohl sie nie etwas getan hat. Obwohl sie als Kind vielleicht sogar mal die Hand auf ihre warme Schnauze legten und sich an meiner Freundin erfreuten werfen sie mit Steinen, und ich sehe zu. So in etwa fühlt es sich an. Das mag nun übertrieben klingen, und wieder will ich betonen, dass keiner so fühlen muss wie ich und keiner ein schlechter Mensch ist, wenn er diese Bindung zu Tieren nicht verspürt – ich will damit nur meine inneren Dämonen erklären.

Wenn ich also den Kühlschrank einer Freundin öffne und darin das halbe Kilo Ja-Frikadellen vorfinde fühle ich tatsächlich so etwas wie Schmerz. Mir tut das (ernsthaft) körperlich irgendwie weh. Ich sehe da in Kühlschrank die gesteinigte Freundin, und ich möchte sie verteidigen. Ich fühle Schmerz und möchte Schmerz zufügen – wieder diese ganz natürliche Reaktion. Ich möchte den Kühlschrank zuknallen und meine Wut an ihr, dem Verursacher, rauslassen. Ich will ihr sagen wie scheisse ich das finde, wie furchtbar dieses Tier behandelt worden ist und was ihr einfällt, so eine Schweinerei zu unterstützen. Ich will, dass sie sich schlecht fühlt, denn ich fühle mich schlecht. Ich möchte mich mit Ketchup beschmiert auf den Marienplatz legen und für Tierrechte kämpfen und jeden „Fleischfresser“ auf der Straße anschreien, dass er ein grausamer Mensch ist – so wütend bin ich. So weh tut mir das.

Und dann mache ich mir den kleinen aber feinen Unterschied wieder bewusst: So bin ich nicht. Ich bin niemand, der seine Schmerzen auf andere übertragen will. Bei mir ist Schmerz-Stopp. Kein Domino-Day an Schmerz. Ich bleibe stehen und unterbreche damit die Schmerz-Kette. Auf „die Scheiss Fleischfresser“ folgt doch nur ein „die scheiss Veganer“. Was aber, wenn wir „die scheiss Fleischfresser“ einfach nicht aussprechen, oder sie gar nicht erst scheisse finden? Genau, dann gibt es auch keine „scheiss Veganer.“ As simple as that.

Wenn ich also vor dem Kühlschrank stehe und mein Blick über die Ja-Frikadellen schweifen bleibe ich kurz darauf hängen – und nehme mir dann wortlos die Auberginen raus, die sie besorgt hat. Ich koche uns heute iranische Pasta mit Ofen-Auberginen, gebratenen Feigen und Minz-Safran-Soja-Yoghurt. Zwei Stunden später sitzt sie kopfschüttelnd am Küchentisch, hält sich den Bauch und sagt: „Oh Gott, lass mir bitte das Rezept da.“
Die Ja-Frikadellen sind deshalb nicht weg aus ihrem Kühlschrank. Dafür aber hat sich ein veganes Rezept in ihren Gaumen eingebrannt, welches bestimmt nun ein paar mal eben diese Frikadellen ersetzen werden. Und ich freue mich darüber.
Ich habe nichtmal erwähnt, dass mein Gekochtes Vegan ist. Warum auch – für viele ist das Wort „Vegan“ negativ belastet, für meine eigene Genugtuung werde Ich es ihr nicht auf die Nase binden.

Stellt euch vor, jeder würde so reagieren. Stellt euch mal vor, kein Veganer würde einen Omnivoren (entschuldigt diese ganzen Betitelungen, ich weiß nur nicht, wie ich es anders ausdrücken soll) Wut entgegen bringen. Stellt euch mal vor, ein Omnivore würde zur protestierenden Veganerin am Marienplatz gehen, sie in den Arm nehmen und sagen: „Hey, ich hör dir erst zu, wenn du mich gern hast. Wenn du mich mit Steinen beschmeißt, kann ich doch nur weglaufen.“
Stellt euch mal vor, anstelle von toten-Tier-Plakaten würden wir Veganer auf die Straße gehen und jedem Menschen vegane Brownies in die Hand drücken inklusive Rezept. Wortlos. Ohne Wertung. Einfach nur „hier, für dich, was leckeres, und so kannst du’s dir nachkochen“

Ich wünsche mir mehr Verständnis. Auf beiden Seiten. Leben und leben lassen – und es anstatt Hass einfach mal mit Liebe versuchen.

Wie schön währe das?

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Zicklein, die mir vor einiger Zeit bestimmt zwei Stunden den Tag versüßt haben.

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