13 Semester

 

Ich trete aus dem dunklen Betonklotz nach Draußen in die Nachmittagssonne. Manchmal, wenn ich wieder vergessen habe, wie die Sonne sich anfühlt, fährt sie durch meinen Körper wie ein kurzes Verliebtsein. Mein Herz wird ganz warm, ich schließe instinktiv die Augen und genieße die Vitamin D Umarmung. Meine Lungen füllen sich mit kalter Luft, und als ich sie wieder ausatme, spüre ich, wie ich den Frust der letzten sechseinhalb Jahre endlich von mir gehen lasse. Und irgendwie auch noch dankbar bin für alles, was ich dadurch lernen durfte.

 

Das war’s.

Es ist vorbei. Ich habe den letzten Vortrag gehalten, die letzte Arbeit abgegeben. Der Tumor in meinem Kopf namens „Studium“ ist besiegt, er kann mir gar nichts mehr. Ich habe ihn besiegt. Wie oft habe ich nicht mehr daran geglaubt? Wie oft lag ich heulend in meinem Bett und fragte mich, ob die letzten Jahre Studium nun umsonst gewesen seien? Wie oft habe ich diese Welt und diesen verdammten „ohne Bachelor bist du nichts“-Gedanken verflucht und verflucht und verflucht. Ich weiß es nicht mehr. Ich konnte es irgendwann nicht mehr zählen.

Es gab Zeiten, da habe ich mit allen Mitteln versucht, zu verdrängen. Ich habe die Tatsache, dass ich immer noch mitten im Studium bin, einfach weggeschoben – bis die Briefe ins Haus flatterten, dass ich Diese und Jene Prüfung nun offiziell zum 1. Mal nicht bestanden hatte. Wegen Fristüberschreitung. Drohung mit Exmatrikulation. Jedes mal, wenn der Gedanke an den Betonklotz wieder in den Kopf schoss, schlug mir das Herz bis zum Hals, meine Finger wurden ganz kalt, und ich fühlte mich so allein. Was bin ich nur für ein Loser. Ich schaffe es nichtmal mehr mich auf der Studiums-Website einzuloggen und mal zu checken, was ich noch tun muss. Es ist doch gar nicht mehr so viel. Und meine Handlungsunfähigkeit versaut mir alles. Jeder aus meinem Semester ist bereits fertig, nur ich nicht. Wie soll ich mich da blicken lassen? Man wird mich so sehen, wie ich mich selbst sehe: Als Versager.

Und dann habe ich mich doch wieder überwunden. Ein ganzes Semester für eine einzige, lausige Prüfung. Das war wohl mein Limit. Dann wieder bewegungsunfähig.
Dann wieder ein Brief. Die nächste Überwindung, das nächste Semester für einen einzigen Kurs. Abgehakt. Der Tumor immer noch im Hinterkopf, denn Dasunddas fehlt auch noch. Und dann… der Brief zur Bachelorarbeit. Erster Fehlversuch, weil: Einfach nicht angemeldet, einfach nicht hingegangen. Ich hatte nur noch eine einzige Chance – und sogar die verbaute ich mir fast, weil ich schon wieder die Bachelor-Anmeldung verpasste. Mein Antrieb, auch nur ein Fitzelchen Energie für dieses Studium aufzuwenden, war so tief vergraben, dass es sich selbst das Aufrufen der Uni-Webseite jedes mal wie ein Marathonlauf anfühlte. Ich schaffte es trotzdem, weil ich einen Dozenten fand, dem ich mich anvertrauen konnte, und der mir mit den Worten: „Angela, sie gehen hier nicht raus ohne ihren Bachelor, dafür sorgen wir“, neue Kraft gab.

 

I’m an alien

Ich habe trotzdem alles gehasst. Ich habe mich selbst für meine Unfähigkeit gehasst, und all die scheiss Hipster Design-Studenten. Jeden Professor, jeden Dozenten, der über mich den Kopf schüttelte (wie ich glaubte), ich habe sie alle gehasst. Ich fühlte mich, wenn es um das Studium ging, jahrelang so einsam, so allein, so verloren. Ich wollte abbrechen, hunderte Male wollte ich einfach nur weglaufen. Jedes Semester wieder packte mich eine unfassbare Angst, eine unfassbare Wut über all das – und am meisten über mich selbst. Das Gebäude meiner Fakultät zu betreten war wie der Eintritt in die Hölle. Ich versuchte stets jedem Dozenten aus dem Weg zu gehen, setzte mich allein ganz nach Hinten und rannte davon, sobald ich wieder durfte. Ich bin allein damit. Niemand ist so bescheuert wie ich. Ich bin ein Versager.

Und trotzdem schaffte ich es irgendwie, drei Monate lang jeden Tag an meiner Arbeit zu schreiben und meine Bachelorarbeit einen Tag, bevor ich nach Hawaii flog, abzugeben. Nun fehlte mir nur noch dieses eine Blockseminar… dessen Frist ich natürlich auch schon wieder verpasst hatte. Fristüberschreitung, mein neuer zweiter Vorname. Aber dieses Seminar… es fand genau dann statt, wenn ich eigentlich auf Hawaii sein wollte. Eine Woche vor meiner Bachelorarbeits-Abgabe überwand ich mich dann auch mal dazu, den zuständigen Dozenten davon zu erzählen. Der Endgegner-Dozent, um den ich stets den größten Bogen gemacht hatte, weil ich glaubte, seine Abneigung mir gegenüber am heftigsten zu spüren.  Und er machte mir klar, dass ich diesen Kurs besuchen muss, und das hier die letzte Chance sei. Fliege ich nach Hawaii, versaue ich mir mein Studium, weil ich den allerletzten Kurs, den ich noch brauche, nicht ablegen kann. Ich verließ heulend den Raum.

Und schob es wieder weg. Und flog. Es kam mir nicht in den Sinn, deswegen hier zu bleiben. Ich musste das einfach machen.

Als ich zurück kam hatte ich neuen Mut. Ich wollte nicht wahrhaben, dass ich nun sechs Jahre diesen scheiss Klotz mit mir rumgeschleppt hatte, mich immer und immer und immer (und IMMER) wieder aufgerafft hatte, und es jetzt vorbei sein sollte – wegen einem einzigen, verdammten Kurs. Ich schleppte mich zur Studienberatung, wurde weitergeleitet an Herrn Soundso, der mich an Frau Soundso verwies, die mir sagte, ich müsste „nur eine schriftliche Fristverlängerung beantragen“. Eine Woche später hatte ich die Fristverlängerung für meinen letzten Kurs in der Hand. Januar 2017 sollte ich ein letztes Mal ein paar Tage in die Uni. Eine Arbeit schreiben, darüber einen Vortrag halten, und das war’s.

 

Endspurt

Eine Erinnerung in meinem Handy ermahnte mich täglich, acht Monate lang, die Anmeldefrist diesmal nicht zu versemmeln – und hurra, es klappte.
Am ersten Tag wieder im Betonklotz starb ich natürlich tausend Tode, wie immer, wie jedes mal. Ich fürchtete mich so sehr vor der Gruppe, die ich heute kennenlernen sollte. Alles fleißige 5. Semestler, ich als einziges unbekanntes Gesicht. Bestimmt muss ich erklären, in welchem Semester ich bin. Der Endgegner-Dozent genau der, vor dem ich ein Jahr zuvor noch in Tränen ausgebrochen war, weil er mir sagte, ohne den Kurs könnte ich mein Studium vergessen. Ich setzte mich wieder nach hinten, und fühlte mich so Außerirdisch wie jedes Mal.
Und dann lernte ich Tobi kennen. Ich hatte mir offensichtlich einen Platz neben dem aufgedrehtesten Jungen im ganzen Semester ausgesucht, der mir sofort die Hand hinstreckte. Innerhalb von zehn Minuten wusste ich, dass er bald nach Bangkok fliegt und hatte fast meine komplette Hawaii Geschichte erzählt. Mit einem einzigen Handschlag war alle Einsamkeit, alle Angst, jedes Alien-Gefühl verflogen. Tobis offene Art brachte mich binnen wenigen Sekunden dazu, mich in alle Richtungen zu öffnen – und so erzählte ich ihm sogar von meiner schrecklichen Angst vor dem Vortrag. „Stell dir einfach alle hier nackt vor. Oder schau‘ einfach mich an, ich werd dir zeigen wie prima ich deinen Vortrag finde.“

Als ich nach vorne ging fühlte ich mich auf einmal wieder als Teil von Etwas. Wenn all die Ängste, die ich während den letzten 6,5 Jahren mit mir rumschleppte, mit nur einem einzigen Handschlag begraben werden können… wenn alles, was man braucht, das Gefühl ist, Teil eines Großen und Ganzen zu sein, dann sollen alle hier wissen, dass sie niemals Angst haben müssen. Und so stellte ich mich vor mit den Worten: „Ich bin Angela, und ihr kennt mich bestimmt alle nicht – ich bin nämlich im 13. Semester. Wenn ihr also irgendwann mal denken sollte, es geht nicht mehr, denkt an mich. Oder schreibt mir, ich kenne mich ganz gut aus.“ Mit diesem Satz blickte ich in 30 lachende Gesichter. Und vielleicht denkt ja wirklich mal jemand an mich, wenn er nicht mehr weiter weiß – und fühlt sich dann ein Stück weit weniger allein.

 

Ubuntu

In dem Moment, als ich nach Draußen in die Sonne trat, verstand ich so viel. Ich verstand endlich, warum ich durch die Studiums-Hölle gehen musste: Um genau das hier zu verstehen.

Ich war niemals ein Alien. Niemand hat mich jemals gehasst und wollte mir etwas Böses. Der einzige Grund, warum ich mich einsam fühlte, war ich selbst. Ich machte mich selbst zu einem Alien. Ich schloss mich aus, weil ich niemals darüber sprach. Was wäre gewesen, wenn ich in den letzten sechs Jahren dieses Thema auch nur ein einziges mal auf diesem Blog erwähnt hätte? Wieviel von euch hätten gesagt: „Ich kenne das Gefühl so gut! Ich habe genau das gleiche Problem!“

Ich habe meine Menschlichkeit nie gezeigt – und bin deshalb zu einem Alien geworden.

 

line

 

Alles, was wir brauchen, ist die Gewissheit, dass wir Teil eins Großen und Ganzen sind. Egal in welcher Lebenslage. Verlieren wir das aus den Augen werden wir einsam – und diese Einsamkeit ist ein Teufelskreis, der uns immer tiefer sinken lässt. Was passiert mit Ängsten, wenn wir sie aussprechen? Es macht uns nicht schwach, es macht uns menschlich. Ich bin ein Mensch, so wie du. Wie soll ich mich nicht mit dir verbunden fühlen?
Jemand hat mal zu mir gesagt:

„Der Mensch wird erst durch andere Menschen zum Menschen.“

Und das durfte ich aus all dem lernen. Wenn ich jetzt zurückblicke, hätte ich nichts anders gemacht. Ich musste eben durch all die Gefühlskotze laufen, um das hier endlich zu verstehen.

Diesen Post hier schreibe ich, um euch Mut zu machen. Sprecht über eure Ängste, lasst nicht zu, dass ihr zu Aliens werdet. Sobald du deine Ängste aussprichst, sie zulässt und nicht verdrängst, geht es dir besser – und nicht nur dir, deine Ängste können sogar anderen Mut machen. Du bist niemals, absolut NIEMALS allein mit dem, was du fühlst. Ganz egal, was es ist. Auf diesem Planeten leben sieben Milliarden Menschen, so etwas wie Einsamkeit, so etwas wie „es geht doch nur mir so“, existiert nicht. Es existiert nur in unseren Köpfen.

 

Als ich aus der Vitamin D Trance wieder aufwachte, fühlte ich mich so stark wie niemals zuvor. Tobi boxt mir von hinten auf die Schulter und sagte: „Dreizehn Semester statt sieben? High five on that!“

In meiner Bachelorarbeit schrieb ich übrigens eine 1,3. Und der Dozent, vor dem ich mich jahrelang so fürchtete, hatte wohl auch mal eine Zeit lang auf Maui verbracht. Und plötzlich fand ich mich plauschend mit ihm über die Insel wieder – von Mensch zu Mensch.

<3

 


 

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  1. Antworten

    Linda

    29. Januar 2017

    Auch hier nochmal: So schön geschrieben! Danke dafür, dass du deine Geschichte mit uns teilst.
    Ich habe mich in deiner Geschichte wiedergefunden, gerade sitze ich an einer Hausarbeit, die ich seit zwei Semestern aufschiebe.. Das zu lesen hat mich nochmal ein Stückchen motiviert und mir Kraft gegeben.

    Ich wünsche dir nur das Beste <3

  2. Antworten

    Alena

    29. Januar 2017

    Der Beitrag ist unheimlich toll! Ich finde mich gerade total wieder in deinen Worten – mein Studium ist auch so eine Sache, die ich nicht einfach hinschmeißen will, aber gerade kann ich mich auch überhaupt nicht mehr motivieren und fühle mich damit total alleine, weil alle um mich herum schon den Bachelor schreiben und ich immernoch irgendwie am Anfang stehe.
    Tat gut zu lesen und ich bin jetzt sicher, dass ich das auch schaffe! Einfach in meinem Tempo – danke <3

  3. Antworten

    Linda

    29. Januar 2017

    Hey Angela,
    Ich dachte, ich lasse dir mal wieder einen Kommentar da, dein Text spricht mir nämlich mal wieder richtig aus der Seele.
    Erst einmal Herzlichen Glückwunsch zu deinem Studienabschluss. Lass uns doch gemeinsam feiern.
    Mir ging es im Studium ähnlich wie dir. Ich habe 2013 angefangen, mit 18, direkt nach dem Abi. Ich studiere Germanistik. Ich wollte über Bücher reden, über Texte diskutieren. Stattdessen bekam ich Pflichtseminare vorgesetzt. Irgendwann bekam ich dann Panik, eine Panikattacke, lag tagelang einfach nur bewegungsunfähig auf der Couch, mit quälenden Ängsten. Dass ich Angststörungen habe und mich unter Menschen sehr unwohl fühle, kommt noch dazu. Die panische Angst, im Seminar etwas sagen zu müssen. Alleine das S-Bahn fahren zur Uni gab mir schon den Rest. Ich schob dann Klausuren und Seminare weiter, ich schaffte es einfach nicht, mich aufzuraffen und Seminararbeiten zu schreiben
    Und schob dann einfach alles auf das 6. Semester, in dem ich eigentlich meine BA Arbeit schreiben wollte.
    Im 6. Semester war ich einfach überfordert. Ich hatte viel zu viel auf dieses letzte Semester geschoben, noch eines wollte ich auf gar keinen Fall machen. Ich wollte einfach nur fertig werden, die Uni hinter mir lassen. Naja, es kam wie es kommen sollte. Ich hatte die BA Arbeit unterschätzt (Ich bin ein sehr tolles Beispiel für Prokrastination. Ich schiebe wirklich alles auf den letzten Drücker.) Naja. Eine BA-Arbeit, mit einem Thema, mit dem ich absolut nicht zurecht kam, wird eben nichts, wenn man sie in 3 Tagen schreibt.
    Ich bestand die BA-Arbeit nicht, gab eine weitere Seminararbeit nicht ab und schwupps, war ich im verhassten 7. Semester. Noch ein Semester länger, in einem Studiengang, den ich nach dem 2. eig hätte abbrechen sollen.
    Ich meldete mich also zum 3. Mal für das Seminar an und meldete den 2. und letzten Versuch der BA-Arbeit an.
    Ich wollte und konnte einfach nicht mehr. Ich konnte mein Bett nicht verlassen, konnte mich nicht aufraffen, als der Loser, im 7. Semester. Ich fühlte mich als wahnsinniger Versager, da ich länger gebraucht hatte. Abends lag ich Stundenlang wach, mich quälten Versagensängste, Existenzängste.
    Und auch die nächste BA Arbeit schob ich wieder bis zum äußersten vor mir her. Wissenschaftliche Arbeiten liegen mir einfach nicht. Ich bin ein kreativer Mensch, der gerne frei schreibt. Dieses wissenschaftliche kann ich einfach nicht. Also schrieb ich wieder mehr schlecht als recht meine BA Arbeit in 2 Tagen und gab sie dann ab. Mit einem richtig schlechtem Gefühl im Bauch.
    1 1/2 Monate wartete ich nun auf die Nachricht meines Dozenten, dass ich die Arbeit nicht bestanden hatte. Dass ich exmatrikuliert werde, Studium nicht geschafft, 3 1/2 Jahre für nichts weggeschmissen.
    Doch letzte Woche Montag kam die Nachricht mit dem bestanden. Nächste Woche dann noch die Disputation. Die letzte Seminararbeit, diesmal aber wirklich abgeben. Und dann Freiheit.
    Liebe Angela, entschuldige bitte den langen Kommentar. Aber das musste mal von der Seele.
    Ich habe mich nun 7 Semester lang durch ein Studium gequält um nun im nächsten Teufelskreislauf gefangen zu sein. Denn ein Bachelorabschluss bringt zumindest in meinem Bereich einfach nichts. Ich möchte gerne einfach mal nichtstun, dass tun, was ich möchte, reisen, etc. Stattdessen befinde ich mich nun mit einem passablen Abschluss in der Bewerbungsphase. Und werde mich wahrscheinlich von Praktikum zu Praktikum hangeln müssen. Zusammen mit tausenden Mitbewerbern, die jünger als ich sind (dabei bin ich 21), bessere Noten hatten, schneller fertig waren und sogar Zeit hatten in den 3 Jahren Studium noch ein mehrmonatiges Praktikum unterzuschieben.
    Aber naja.
    Ich freue mich auf meinen Uni-Abschluss. Denn die Studentenzeit war die Hölle für mich. So schlecht wie in den letzten Jahren ging es mir noch nie. Meine Ängste haben sich verschlimmert, Erfahrung und Wissen habe ich jetzt trotzdem nicht.
    Trotzdem stoße ich auf dich und mich an, wir haben es geschafft, uns unseren Ängsten zu stellen und haben am Ende gewonnen. Und wenn dass nicht die beste Erfahrung aus der Studien-Zeit ist, was sonst?
    Also herzlichen Glückwunsch. Und vielleicht kannst du dir von der Spende, die ich dir dalassen werde, ja etwas zum Abschluss gönnen. Als Belohnung, dass wir es uns selbst besser bewiesen haben.
    Liebste Grüße.

    • Antworten

      Angela

      29. Januar 2017

      Liebe Linda,

      es tut mir selbst ganz weh, das zu lesen. Ich bin sehr sehr stolz auf dich, dass du dein Studium doch noch hinter dich gebracht hast, aber wieso möchtest du dich jetzt gleich weiter quälen? Findest du nicht, du hast genau diese Auszeit verdient, die du dir so sehr wünschst? Du bist so jung! Du bist erst einundzwanzig! Schau doch zum Beispiel zwei Kommentare unter dir – Sara hat sich mit 27 sogar nochmal dazu entschieden, etwas anderes zu studieren. Was verlierst du, wenn du nun ein, zwei Jahre nur auf dich schaust? Meinst du nicht, du bist sogar viel stärker, viel motivierter (und somit auch eine bessere Mitarbeiterin), wenn du erstmal nur auf dich schaust?
      Ich weiß, wir alle denken immer, wir müssen gleich und schnell viel Geld verdienen – weil wir in die Rentenkasse einzahlen müssen (fun fact: hab ich noch nie getan), weil man das von uns erwartet. Ich verrate dir ein Geheimnis über die Rentenkasse und dieses System: Es zwingt uns dazu, gegen unser Herz zu rennen, zu arbeiten wenn wir es eigentlich nicht können und uns selbst aufzugeben. Und was resultiert daraus? Wir werden krank, ab dem Zeitpunkt, an dem wir in Rente gehen. Weil wir nie auf unseren Körper gehört haben. Wir bekommen Krebs, Tumore, Herzinfakte (wie soll das Herz so etwas auch aushalten?) und dann – ja, dann brauchen wir auch dringend das Geld aus der Rentenkasse.
      Was passiert aber, wenn du nur aus deinem Herzen heraus lebst, es dir ein Leben lang gut gehen lässt, wenn du erst viel später etwas für’s Alter sparst? Du bist gesund, lange gesund, und der Staat ärgert sich zu Tode, weil er durch dich nie viel verdient hat. Glaube nicht an das, was die Gesellschaft, die Medien dir einreden wollen. Hinterfrage alles, was sich nicht gut für dich anfühlt. Alles!

      Weißt du, zu welchen Leuten ich aufschaue? Zu eben denen, die nicht das tun, was die Gesellschaft sagt. Zu denen, die ihrem Herzen folgen.

      Was steht dir im Wege, auf Reisen zu gehen? Kein Geld? Reisen ist SO viel günstiger, als man es sich manchmal vorstellt. Flieg nach Asien! Such dir für eine Zeit lang einen Job, der nichts mit deinem Studium zutun hat, sondern der dir hilft, etwas zu sparen. Wovor hast du angst? Dass die Leute dich ansehen und denken: „Jetzt hat sie studiert und arbeitet in einer Bar“? Scheiss auf die Leute! Jeder, der sowas denkt, sieht in dir nur das, wovor sie selbst angst haben. Denn egal was man so komplett ablehnt – es spiegelt nur die eigenen Ängste wieder. The way you view and judge others is a reflection of youself.
      Gerade die eigenen Eltern lassen einen am meisten spüren, was sie ablehnen. Die eigene Tochter möchte nicht gleich arbeiten nach dem Studium? Das geht nicht, wir haben es auch nicht so gemacht. Natürlich haben sie es nicht so gemacht, aber glaube mir, sie wünschten sich, sie hätten es.

      Ich werde so wütend, wenn ich höre, wie junge Mädchen wie du sich krampfhaft versuchen in diese Gesellschaft einzufügen und daran zugrunde gehen. Scheiss auf all das, Linda. Der einzige Mensch, mit dem du ein Leben lang verbunden bist, bist du selbst. Mach es anders, brich aus, und zeig der Welt, dass es geht! Du hast noch so so so so viel vor dir, und das Leben kann so so so so schön sein!

      Ganz ganz ganz viel Liebe an dich (und jetzt weine ich ein bisschen. :D)

      Angela

    • Antworten

      Sabrina

      31. Januar 2017

      Liebe Linda,

      ich kann dich so gut verstehen! Mir ging es ähnlich wie dir mit meinem Germanistik-Studium. Ich habe es zwar in den angegebenen 6 Semestern durchgezogen, hätte aber im Nachhinein gerne andere, kreativere Sachen lieber gemacht und meine Bachelor-Arbeit mit mehr Kraft und Motivation geschrieben.
      Und dann bin ich wie du aus dem Studium raus und habe mir Praktikumsplätze gesucht. Ich habe nur Absagen erhalten. 6 Monate habe ich gesucht und irgendwann gedacht, dass ich es einfach „dreist“ mit Bewerbungen auf richtige Stellen versuche. Und wurde direkt zu den ersten beiden Firmen eingeladen, woraus sich aus wiederum einem Gespräch gleich eine Festanstellung ergeben hat.
      Ich musste mehrere Kilometer von zu Hause wegziehen, aber es war einfach toll. (ich hatte wirklich riesige Angst vor diesem Schritt!)
      Ich habe so nette Menschen kennengelernt und einen guten Job gehabt, vor allem für den Einstieg. Ich habe ein bisschen getextet und andere Leute getroffen, die auch Germanistik studiert hatten und was ganz anderes machten.
      Es war so motivierend und beruhigend zu sehen, dass man auch mit einem Bachelor in Germanistik ganz normale Jobs findet und nicht, Klischee ahoi, irgendwo unterbezahlt in einer fremden Brache endet.

      Ich weiß, dass sich solche Geschichten immer so leicht erzählt anhören, dass man glaubt, das gelten für einen selbst nicht.
      Aber bitte lass dich nicht entmutigen, schreib Initiativbewerbungen, bewirb dich auf verschiedene interessante Stellen und schau mal, wie du zurecht kommst.
      Oft ist das alles nämlich gar nicht so schlimm und wichtig, wie einem die Leute gerne weismachen wollen :)

      Alles Liebe
      Sabrina

  4. Antworten

    Anne

    29. Januar 2017

    So schlimm die Jahre für dich waren, ich bin wirklich froh, dass auch ich damit nicht alleine bin. Ich studiere (mehr oder weniger) nun auch schon 8,5 Jahre vor mich hin. Mir fehlt eine Prüfung (dritter Versuch) und diese schiebe ich seit 4 Jahren vor mich hin. Mir fehlt jegliche Motivation. Dein Text könnte von mir sein. Ich zahle still die Studiengebühren vor mich hin, schaffe es aber nicht mich über News auf der Homepage zu informieren. Ob es Fristen gibt weiß ich nicht. Den Studentenausweis habe ich zuletzt 2011 aktualisiert. Ich mache täglich mein Ding und versuche all das zu verdrängen. Liege Nachts trotzdem stunden lang wach und die Gedanken ein Versager zu sein quälen mich. Die Angst vor der Prüfung ist jedoch größer und lässt mich ganz gut verdrängen.
    Jetzt sitze ich hier und lese deinen Text. Er macht mir Mut und im Sommer will ich mich der letzten Klausur stellen. Wenn ich es nicht packe, dann ist es eben so. Vielleicht muss ich mich auch einfach mit dem Gedanken anfreunden können, dass wenn es nicht klappt, die Welt davon nicht untergeht.
    Danke für deine offenen Worte!
    Anne

    • Antworten

      Angela

      29. Januar 2017

      Liebe Anne,

      es ist vollkommen in Ordnung, dass du froh bist über meine Misere :))) Das war die Intention!

      Ich kann deine Frustration und deine Angst so furchtbar gut verstehen. Aber weißt du, was ich in meiner Misere auch gelernt habe die letzten Jahre? Auch Professoren, auch Dozenten sind Menschen. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen – und genau deshalb gibt es in deiner Uni bestimmt jemanden, der dir zuhört. Ich weiß, dieser Schritt ist hart, denn er bedeutet, seine Schwäche ganz offen vor einem fremden Menschen zuzugeben. Aber das ist das schöne am Menschsein: Sobald du zeigst, dass du einer bist, wird dein Gegenüber es auch. Geh zur Studienberatung! Oder gibt es nicht sogar an jeder Uni jemanden, der sich mit eben diesen Studienproblemen auseinandersetzt? Hilfecenter, Frauenbeauftragte, es gibt sie, ganz bestimmt! Öffne dich jemandem, auch wenn du nun nur noch eine einzige Klausur vor dir hast. Eben diese wird dir so viel leichter sein, wenn du diese Last endlich mal ausgesprochen hast. Zeig, wie verzweifelt du bist, wie lange du all das schon mit dir rumschleppst, und kein Mensch, der ein Herz hat, wird dir hier nicht zuhören.

      Und ja, du hast absolut recht: Selbst wenn es nicht klappt geht die Welt nicht unter. Denn auch das hat dann seinen Sinn gehabt. Vielleicht lernst du dadurch dann in Zukunft mehr auf dein Herz zu hören und Dinge, die dir nicht gefallen, früher sein zu lassen. Oder vielleicht ermutigst du dadurch andere, ihr Studium abzubrechen, wenn es einfach nicht das Richtige ist.

      Weißt du, was ich außerdem gelernt habe im Leben? Durch Schmerz und Leid lernen wir am allermeisten. Wir müssen nur genau hinsehen. Es gibt kein „hätte ich es damals nur anders gemacht…“ – denn hätte man das, dann wüsste man es jetzt nicht besser. Es gibt keine Schritte zurück es geht immer nur Vorwärts. Und dieser Gedanke ist so heilsam. Das Leben hat nur Gutes für uns im Sinn und alles, was wir erleben, bringt uns genau an dem Punkt, an dem wir jetzt sind. Wenn du also ganz fest daran glaubst, dass alles im Leben seinen Sinn hat… was soll dir dann denn noch passieren? Es musste doch so sein! Immer!

      Du schaffst das! Und alles, was du denkst, fühlst, erlebst ist richtig. Es gibt kein Falsch. <3

  5. Antworten

    Sara

    29. Januar 2017

    Oh, Angela. Danke.
    Danke, für ein bisschen weniger Alien-Dasein. Ich bin ein 27-jähriger Ersti und zwischen all den „frisch-aus-dem-Abi-kommenden“-Kommilitonen fühle ich mich seit Beginn des Semesters wie eine ein-Personen Freakshow. Ich sitze hinten in der letzten Reihe, nah dem Ausgang und bleibe nie länger als nötig. Ich rauche hektische Zigaretten und wünsche mir oftmals nichts mehr als einen wirklich guten Tarnumhang.
    Ich liebe es, nun an der Uni zu sein. Ich habe mir jahrelang den Allerwertesten aufgerissen, um mir diesen Traum doch noch erfüllen zu können, um tun zu können, was ich wirklich will. Aber ich liebe es nicht, IN der Uni zu sein. Denn zwischen all den „frisch-aus-dem-Abi-kommenden“-Kommilitonen, da geht es doch nur mir so. Da bin ich der Störfaktor innerhalb der homogenen Masse.

    Danke. Du könntest – nur in der Theorie – eine von den vielen Gesichtern in meinen Vorlesungen sein, die ich über einen Kamm schere. Das macht Mut.

    • Antworten

      Angela

      29. Januar 2017

      Liebe Sara,

      ich verstehe, dass du dich so fühlst. Denn für dich sieht es so als, als ob es da etwas ganz Augenscheinliches gibt, was dich von den anderen trennt: Alter. Und hey, natürlich bist du nicht die, die sich auf Erstsemesterparties zusäuft. Natürlich fühlst du dich mehr „ausgeschlossen“, weil deine Gefühlswelt schon eine ganz andere ist als die der Frischlinge. Und es stimmt, „es geht nur dir so“ – aber du bist ganz und gar kein Störfaktor.

      Meinst du nicht vielleicht sogar, dass du damit ein Vorbild bist für andere? Bestimmt sitzen da in deinem Studiengang so einige, die sich irgendwann fragen, ob sie das richtige getan haben. Und dann sehen sie dich, wie du noch mit 27 einem ganz neuen Tram nachgehst. Das ist doch wunderbar! Du bist kein Störfaktor, du bist vielleicht sogar ein Lichtblick. Lebe dein Alter einfach! Stell dir beim Rauchen dazu, lach mit den anderen, schüttel den Kopf über sie und sag: „Mein Gott, sie jungen Leute.“ Versuch nicht dich zu verstellen – sei einfach DU. Geh mal auf jemanden zu und frag ihn, was ihn hier hergebracht hat (Menschen sind nämlich ganz einfach gestrickt: Sie reden sehr gerne über sich selbst ;)). Und dann kannst du ganz offen von dir erzählen.

      Bei meinem Seminar nun ist auch ein Mann dabei, der sicher schon Ende Dreißig ist. Ich kannte ihn nicht und dachte erst, er sei ein Dozent. Als er seinen Vortrag über sein Praktikum hielt (ja, er war mit ende Dreißig auch noch Praktikant) erzählte er als allererstes: „Leute, ich werde Papa!“ Alle lachten und beglückwünschten ihn. Und ich erwischte mich dabei, wir ich meine Nachbarn fragte, was er denn vor diesem Studium getan hat. „Ich weiß nicht“, sagte er, „wäre aber mal ganz interessant zu wissen“. Und so empfand ich das auch – nur fand ich nicht den Mut ihn zu fragen. Glaub mir, deine Frischlinge emfpinden dich nicht als Störfaktor, sie finden dein Anderssein eher interessant. Und wenn, dann trauen sie sich nicht, dich anzusprechen. Vielleicht musst du die erste sein. Beste Freunde werde ihr vielleicht nie – aber bestimmt fühlst du dich dann viel, viel wohler, da, wo du bist.

      Mich jedenfalls hast du dazu inspiriert, den Mann aus dem Kurs mal anzusprechen. Ich habe die nächste Woche noch 4 Tage, an denen ich mir ein paar Vorträge anhören muss, und da wird er auch da sein. Wieso sollte ich denn auch nicht fragen, wenn ich interessiert bin? ;)

      Hab einen schönen Sonntag!

      Angela

      • Antworten

        Johanna

        27. Februar 2017

        Liebe Angela,
        hast du ihn angesprochen? :)

        Liebe Sara,
        ich bin mir sicher, dass ihr trotz des Altersunterschieds gemeinsam eine bessere Zeit habt als alleine. Denn wie wir hier mit Angelas Post und auch in den Kommentaren lernen, fühlen sich so viele Menschen einsam mit dem was sie tun und was sie fühlen. Wir sollten alle ein bisschen mehr aufeinander zu gehen – auch und gerade wenn es offensichtliche Unterschiede gibt!

        Vielleicht kann ich dich ein bisschen aufmuntern wenn ich dir erzähle, dass einen Jahrgang unter mir in der Ausbildung noch eine 54-jährige Dame die Ausbildung zur Steuerfachangestellten gemacht hat. In der Kanzlei ihres Sohnes, einfach weil es ihr Spaß machte!
        Und derzeit haben wir einen Umschüler, der sein Jahrespraktikum bei uns in der Kanzlei macht – er ist 45 und fängt beruflich noch mal bei Null an.
        Das sind für mich zwei Beispiele von Menschen, die mich inspirieren weil sie gegen den Mainstream etwas anpacken, was in Statistiken wahrscheinlich nicht mal erfasst wird. Etwas, was sie mit Sicherheit beide nicht auf ihrem Lebensweg gesehen haben, als sie noch 20 waren.

        Ganz liebe Grüße!
        Johanna

  6. Antworten

    Marie

    29. Januar 2017

    Liebe Angela,
    danke danke danke! Mir fehlen gerade die Worte…denn ich weiß ganz genau wie du dich gefühlt hast! Du kannst dir gar nicht vorstellen wie viel du mir mit diesem Text gibst! Ich befinde mich auch mitten im Studium, naja eig sollte ich nächstes Semester fertig werden wenn alles gut läuft. Ich studiere ein Fach was mich wahnsinnig interessiert und dennoch habe ich jede Woche das Gefühl keine Kraft mehr zu haben, einfach nicht mehr zu können, den Druck nicht mehr auszuhalten… Und dennoch mache ich immer weiter, einfach um es irgendwann hinter mir zu haben, um dann fertig zu sein. Trotzdem ich weiß, dass ich mit meinen Gefühlen nicht alleine bin, habe ich das Gefühl dass nur ich damit nicht umgehen kann und fühle mich damit wie ein Alien…Aber irgendwann ist es geschafft!
    Nochmals danke danke danke liebe Angela. Du berührst mich und hilfst mir zugleich so sehr mit deinen Texten!!!Danke!!!
    BTW: Ich habe dich auf snapchat schon desöfteren nach Büchern gefragt wenn du Ausschnitte gelistet hast. Vllt könntest du ja auch mal etwas dazu hier auf deinem Blog schreiben?!

    Ganz ganz liebe Grüße
    Marie

    • Antworten

      Angela

      1. Februar 2017

      Liebe Marie,

      es freut mich so, dass du dich jetzt ein bisschen weniger alienated fühlst :) Ich hoffe du liest auch alle Kommentare hier und fühlst dich noch weniger allein. Ich glaube ja, das sich bestimmt über die Hälfte aller Studenten genau so fühlt, es sich nur keiner sagen traut. Hier anonym dann aber (Gott sei Dank) schon! :)

      Eine Buchliste… ach, ich weiß nicht so. Ich habe das Gefühl dass meine Bücher irgendwie „falsch ankommen“ könnten, weil sie teilweise echt so krass Eso sind, haha. Verstehst du was ich meine? Ich will die Leute nicht verschrecken. Aber vielleicht schaff‘ ich es ja, wenn ich in meinen Posts auch Zitate herausschreibe.. die kommen ja offenbar doch gut an :) Danke für die Inspiration und viel viel Glück dennoch für dein Studium!

      Angela

  7. Antworten

    Lena

    29. Januar 2017

    Danke, Danke, Danke!
    Ich fühle mich so unwohl im Studium, trau mich es aber kaum, das auszusprechen. Eigentlich sollte diese Zeit doch die schönste im Leben sein, aber für mich ist das die Zeit, in der ich mich am weitesten von dem entfremde, was ich mag und wo ich mich zu Hause fühle. Der einzige Grund, warum ich es so gut wie möglich durchziehe, ist die Arbeit, die ich nur mit einem Studium machen kann.
    Aber ich habe mich noch nie so alleine gefühlt wie momentan, wie seit insgesamt schon seit zwei Jahren.

    • Antworten

      Angela

      1. Februar 2017

      Liebe Lena,

      ich glaube irgendwie, wir alle hatten viel zu hohe Erwartungen an ein Studium. Ich wollte damals einfach nur „Student sein“, weil das ja „so geil ist“ und man ja endlich „das macht was man möchte“. Aber irgendwie ist das alles Blödsinn. Wer weiß schon direkt nach dem Abi, was er wirklich will?
      Ich hoffe du merkst, dass du nicht allein bist! Auch durch all die Kommentare hier :)

      <3

      Angela

  8. Antworten

    Kathrin

    29. Januar 2017

    Danke Angela, auch wenn in diesem Wort soviel mehr liegt <3 Dieses Jahr Abi und danach erst mal ein Jahr nach England… raus aus der Lebenslauf-Welt in die reale, um Menschen und Leben kennenzulernen. Und danach Studium, aber ich glaube ohne Uni, ohne Unglücklichsein. Ich weiss genau was du mit den Denkblöcken meinst und es macht mich traurig und gleichzeitig zutiefst stolz über deinen Triumph zu lesen. Du hast es geschafft und das ist absoluter Wahnsinn! Und ich nehme mir vor, auch mal ein Tobi zu sein, da zu sein wenns mal nicht läuft. Ich wünsche dir ganz viel Liebe für alles was dein Leben gerade bringt – und ganz viel Liebe für all diejenigen die noch festgefahren sind. Ändert etwas, ihr habt die Kraft dazu <3

  9. Antworten

    Anela

    29. Januar 2017

    Ach Angela, ich versteh dich. Bei mir siehts so ähnlich aus, nur, dass ich schon im Master bin. Der Bachelor war kein Problem, locker in der Regelstudienzeit geschafft, dann ein Jahr warten auf den Masterplatz, den ich uuunbedingt haben wollte und nun bin ich im 8.Mastersemester, habe zwar alle Kurse fertig (schon seit anderthalb Jahren), aber die Masterarbeit steht bevor und ich bekomms einfach irgendwie nicht hin. Nachdem ich nun aber angemeldet habe und mir profesionelle Hilfe gesucht hab (unsere Uni ist diesbezüglich Gott sei Dank sehr fortschrittlich und es gibt diverse Beratungsstellen für Leute mit aller Art von Problemen) hoffe ich, dass ich mich diesen Sommer endlich endlich Master of Arts nennen kann.
    Was danach kommt? Keine Ahnung, aber erstmal gehts mir jetzt wirklich darum, fertig studiert zu sein und mich nichtmehr mit wissenschaftlichem Arbeiten beschäftigen zu müssen.

  10. Antworten

    Sophia

    29. Januar 2017

    Ein wirklich gut tuender Artikel. Denn mich plagt das Gleiche Problem. Aktuell hänge ich im elften Semester, was auch schon wieder bald vorbei ist. Die Semester rasen nur so an mir vorbei, während ich ebenfalls vielleicht 1-2 Kurse nur besucht habe (und damit meine ich die Kurse auch nur 1-2 Mal im Semester besucht zu haben, weil ja keine Anwesenheitspflicht besteht). Und jedes Mal fasse ich den Entschluss, endlich mal die Ärmel hochzukrempeln und mich zu motivieren. Mittlerweile kann ich der Uni auch nichts Gutes mehr abtun. Ich will sie einfach hinter mich bringen. Jetzt aussteigen: wofür habe ich mich dann schon elf Semester durchgeschleppt, abgesehen von dem Druck der Familie.
    Einziger Lichtblick aktuell: ein Freund, ebenfalls im elften Semester, der nun plant an meine Uni und sogar in mein Fach zu wechseln. Dass wir zwei Grummelchen und gemeinsam zum Ende und zum Abschluss motivieren können.

    • Antworten

      Angela

      1. Februar 2017

      Liebe Sophia,

      siehst du, gemeinsam ist man ja gleich weniger allein. Mach dich aber nicht so fertig – 11 Semester sind ja gar nix, schau mich an! :) Und hey, selbst wenn du jetzt noch aussteigen solltest, ist es auch in Ordnung. Denn auch das hat dann seinen Sinn gehabt. Vielleicht lernst du dadurch dann in Zukunft mehr auf dein Herz zu hören und Dinge, die dir nicht gefallen, früher sein zu lassen. Oder vielleicht ermutigst du dadurch andere, ihr Studium abzubrechen, wenn es einfach nicht das Richtige ist. Egal was du machst – es wird richtig sein und irgendwann blickst du darauf zurück und denkst dir: „Aha! Deshalb hat das alles passieren müssen!“ :)

      <3

      Angela

  11. Antworten

    Trang

    29. Januar 2017

    Großartiger Beitrag. Vielen Dank dafür und fühl dich ganz doll gedrückt. <3 Ich studiere selbst noch im ersten Semester und ich habe Kommilitonen, die im gleichen Alter wie meine Eltern sind. Es ist also wirklich nie zu spät, um anzufangen, und genauso nie zu spät, um aufzuhören oder abzubrechen. Ich hoffe, du bist wahnsinnig stolz auf dich, dass du es noch durchgezogen hast, denn das kannst du auf alle Fälle sein. Ich selbst hab riesiges Glück, in einem Umfeld zu leben, in dem mir früh genug klargemacht wurde, dass es in Ordnung ist, länger zu brauchen und auch abzubrechen, wenn es nicht geht oder nicht passt. Daher toll, wie du mit diesem Beitrag auch all denjenigen Mut machst, die von allen Seiten diesen grässlichen Druck verspüren, "was aus sich zu machen". :)

    PS: Kenne auch Studierende, die mittlerweile im 22. Semester sind. :D

  12. Antworten

    Isabella

    29. Januar 2017

    Liebe Angela,

    Ich hatte keine Ahnung, wie sehr ich diesen Beitrag brauchte.
    Ich befinde mich im ersten Semester, liebe mein Hauptfach, mein Nebenfach hat sich ein wenig als Alptraum entpuppt – ich habe mich übernommen, habe zu viel für das erste Semester eingeplant, jetzt sitze ich mit gewaltigem Stress in der ersten Klausurenphase. Ich habe auch Angst. Angst, dass ich, wenn ich das Nebenfach wechsle, nicht in Regelstudienzeit fertig werde, dass meine Mum mich noch länger unterstützen muss, noch mehr zahlen muss als sie kann. Ich mache mir jetzt schon Druck, zu der und der Zeit fertig sein zu müssen, kleinste Abgaben ängstigen mich und überhaupt zweifle ich an meinen Fähigkeiten. Es ist vollkommen irrsinnig, das ist mir bewusst, und es ist definitiv etwas, an dem ich arbeiten muss. (Denn ich liebe mein Hauptfach – und ich will dieses Studium machen.)
    Aber vor allem muss ich lernen, über meine Ängste zu sprechen – so, wie du es beschreibst. Das ist es. Das ist der Kernpunkt. Und ich habe eben deine Worte gelesen und sie haben mich einfach unglaublich berührt – weil ich mich verstanden fühlte, irgendwie, obwohl du so viel weiter bist und ich mich erst am Anfang befinde.
    Ich danke dir für deine Ehrlichkeit – und ziehe meinen Hut vor dir, dass du das gemeistert hast. <3

    Alles Liebe,
    Isabella

    • Antworten

      Angela

      1. Februar 2017

      Liebe Isabella,

      es ist so unfair, dass gerade Geldprobleme uns zu so einem Stress zwingen. Vor allem auch, wenn es um die eigene Mutter geht. Macht sie dir denn Druck, oder machst du ihn dir, weil du deine Mutter eben gern hast? Ich glaube wir vergessen auch manchmal, dass unsere Eltern viel für uns tun, einfach nur aus Liebe, und sie uns das niemals zum Vorwurf machen würde. Ich glaube fast, deiner Mutter wäre es sogar lieber, wenn du dir mehr Zeit lässt und nicht an dem Stress zugrunde gehst. Sprich doch mal mit ihr! Bestimmt hört sie dir zu.

      Wie sieht’s denn bei dir mit Bafög aus, bekommst du’s? Solltest du doch eigentlich, oder? 50% davon sind auf jeden Fall geschenkt (wenn du Angst hast vor Schulden nach dem Studium könntest du also auch immer die Hälfte zurücklegen), und vergiss auch nicht, dass du Bafög auch rückwirkend noch bekommst. Wenn du also jetzt beantragst und um 2. Semester bist, bekommst du alles aus dem 1. Semester auch noch in einem Schwung. Es ist zwar viel Papierkram, aber es lohnt sich! Nutze das! :)

      Ich wünsche dir ganz ganz viel Glück und Erfolg :)

      Angela

  13. Antworten

    Nicole

    29. Januar 2017

    Liebe Angela,
    vielen, vielen Dank für diesen offenen, menschlichen Beitrag. Auch ich tue mich seit dem Masterstudium sehr schwer mit der Motivation. Seit einiger Zeit schreibe ich an meiner Masterarbeit und fühle mich ständig wie ein Versager. Ständig denke ich mir, wie schlecht, plump und unverständlich meine Kapitel geschrieben sind, und wie einfallslos ich bin, und wie viel von meinem komplizierten Masterarbeitsthema ich immer noch nicht verstehe, und wie viel noch zu tun ist, und wie ich das alles in den nächsten Wochen schaffen soll. Ständig dieses schlechte, fast schmerzhafte Gefühl in der Magengegend und einen verspannten Kiefer vom nächtlichen Zähneknirschen vor lauter Sorge.
    Da tut es einfach gut zu lesen, dass es anderen sehr ähnlich geht. Ich denke oft, ich bin die einzige, die sich wegen dem Studium so stresst. Viele in meinem Bekanntenkreis nehmen das alles (scheinbar) auf die leichte Schulter, genießen ihr Leben und kosten die „faule“ Studentenzeit voll aus, und wenn sie ein paar Semester länger studieren, ist es auch nicht weiter schlimm. Ich war da nie so entspannt. Ich war immer die Ehrgeizige, die in der Klausurenphase trotz Hochsommer wochenlang nur lernt, und neben dem Studium arbeitet, nicht weil sie es aus finanziellen Gründen muss, sondern weil sie Arbeitserfahrung sammeln möchte. Jetzt, wo ich fast am Ende meiner Studienzeit bin, wünsche ich mir, ich hätte die Zeit mehr genossen, hätte lieber ein paar Semester länger studiert – aber wie man sieht, macht das ja auch nicht unbedingt glücklich.
    Ich bin jedenfalls froh, wenn ich das Studium hinter mir habe und das Arbeitsleben beginnt – denn eigentlich, wenn ich mich nicht so krankhaft unter Druck setze, macht mir das, was ich im Studium und auch während meiner Masterarbeit mache, sogar Spaß. Ein paar Wochen Urlaub werde ich mir vorher natürlich gönnen. :-)

    • Antworten

      Angela

      1. Februar 2017

      Liebe Nicole,

      also ganz ehrlich: Ich kenne NIEMANDEN, der nicht komplett fertig ist wegen seiner Masterarbeit. Wieso gibt es dafür eigentlich keine Foren? Wie schön wäre es denn zu sehen, wie viele genauuuu das gleiche Problem haben? Sei dir da bitte sicher!

      Und wenn ich dir noch einen Tipp geben darf (ich weiß, das klingt immer total Eso und so), aber mir hat meditieren in der Bachelor-Phase krass geholfen. Runterkommen, Gedanken sortieren, wieder mit neuem Elan an die Sache rangehen. Ich habe mir damals die 7mind App runtergeladen und einfach mal „angehört“ und war total begeistert. Hab‘ da auch mal einen Post drüber geschrieben: http://angeladoe.com/2016/07/meditation-lernen.html – Vor allem wenn du schon mit den Zähnen knirschst liebe Nicole.. das ist ein ganz deutliches Zeichen von deinem Körper, dass du etwas tun musst damit es dir besser geht. Auch in solchen Zeiten, die ja „vorüber gehen“ musst du für dich sorgen!

      Denk dir bitte auch niemals, dass du „die Zeit mehr hättest genießen sollen“… du hast eben deinen Weg gewählt, und auch das hatte sicher seinen Sinn. Du könntest zum Beispiel nicht nur ein paar Wochen Urlaub machen, sondern mal für ein halbes Jahr nur Dinge für dich tun, verdient hast du es dir ja! :)

      Ganz viel Glück und Erfolg noch für deine Masterarbeit, du schaffst das!

      <3 Angela

  14. Antworten

    Jana

    29. Januar 2017

    Du bekommst hier zurecht so tolles Feedback..

    Alles, was ich jetzt noch zu sagen habe: Danke! Ich stecke gerade auch dank Studium in einer beknackten Situation, frag mich wie und ob es weiter geht oder wie ich das Ruder noch rum reißen kann. Jedes Mal Bauchweh. Egal, ob Mails checken (wenn ich mich mal aufraffe), Vorlesungen besuchen, Kommilitonen treffen…

    Gerade aber tut es zugegeben einfach nur gut, diesen Text zu lesen und zu wissen, dass alles irgendwann ein Ende und einen Sinn hat.
    Danke, du hasts einfach drauf, andere zu ermutigen und zu berühren!

  15. Antworten

    Lena

    30. Januar 2017

    Liebe Angela,
    danke von ganzen Herzen für deinen Text und die offenen und ehrlichen Worte. Wie unglaublich passend, dass du diesen Text gerade jetzt veröffentlicht hast. Mir geht es so verdammt genauso wie dir. Ich studiere Fotografie, mache genau das was ich eigentlich so sehr liebe. Und doch fühle ich mich im Studium ganz fehl am Platz.
    Im kommenden Semester komme ich ins 8. Semester, das 6. musste ich abbrechen. Mein Ex Freund drohte mir Anfang Mai letzten Jahres u.a. damit mich umzubringen. 3 Tage Terror, Stalking, eine Anzeige bei der Polizei und eine Gewaltschutzverfügung später landete ich in einem Frauenhaus. Schlaflose Nächte, Panikzustände und schwere Depressionen ließen mich keinen einzigen Gedanken ans Studium verschwenden. Das 7. Semester wurde ich krank geschrieben, zu sehr habe ich unter den Depressionen meiner „Krise“ im Mai gelitten, auch weil mein Ex Freund für das was er mir angetan hat in keinster Weise bestraft wurde, weder von der Polizei, noch von einem Gericht, das Verfahren wurde einfach eingestellt. Und das obwohl er mir während unserer ganzen Beziehung auch noch eine falsche Identität vorgegeben hat. Am 29.12. letzten Jahres lief auch noch die Verfügung gegen ihn aus. Er darf mich seit dem Tag ohne Konsequenzen wieder belästigen, kontaktieren oder mir auflauern. Ein Glück, dass ich mit zwei ganz lieben Mädels die ich im Frauenhaus kennen gelernt hatte spontan eine neue WG gegründet habee. In mein altes zu Hause konnte ich einfach nicht mehr.
    Doch der Gedanke Ende März wieder mit dem Studium zu beginnen erfüllt mich mit Angst. Allein die Bahnfahrt zur FH ist die Hölle, wohnt mein Ex Freund doch nur wenige Bahnstationen weiter und die Gefahr ihm in der Bahn zu begegnen ist mir einfach zu hoch. Außerdem haben meine ganzen Freunde mit denen ich das Studium begonnen habe jetzt ihren Abschluss gemacht oder vor ihn im kommenden Semester zu machen. Ich allerdings brauche noch mindestens ein Jahr, ehe ich einen Abschluss in Betracht ziehen kann. Schon jetzt fühle ich mich unglaublich alleine und fehl im Platz in der FH. Ich werde alleine in den Kursen sitzen, niemanden haben mit dem ich meine Raucherpausen verbringen kann. Das schlimme; Kurse bestehen bei uns meist aus 10-20 StudentInnen. Zu viel Aufmerksamkeit die auf mir liegen wird, vorallem wenn das ganze Studium aus Fotoprojekten besteht die man im Kurs vorstellen muss und die kritisiert werden. Etwas, was ich mir ohne meine lieben Menschen an der Seite nicht einmal vorstellen mag. Und neue Menschen kennen lernen ist seit meiner „Krise“ unglaublich schwer geworden, ich kann einfach kein Vertrauen aufbauen.
    Ich habe Angst noch mehr Semester zu brauchen. Und Zeit lassen, dass kann ich mir eigentlich nicht leisten, bin ich doch auf Bafög angewiesen. Mein Semester Pause momentan finanziert mein nicht sehr begeisterter Vater, weder Jobcenter noch Sozialamt oder irgendeine andere Stelle sehen bisher ein meinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Ein unglaubliches hin und her, dabei ist das Leben für depressive Menschen schon so schwer genug.
    Ich weiß nicht wie es weiter gehen soll oder wird. Aber deine Geschichte macht mir Mut, dass es schon klappen wird. Das ich mit 10+ Semestern nicht alleine sein werde und das es okay ist, wenn mal nicht alles nach Plan läuft.

    Danke Angela, für diesen Post. Du hast mir etwas Mut gemacht und das bedeutet im Moment echt viel :-)

  16. Antworten

    liola

    30. Januar 2017

    Danke für den tollen Text :)
    Ich bin im achten Semester, mir fehlen noch drei Prüfungen und die ba Arbeit
    Ich war mir lange Zeit unsicher ob es wirklich das ist was ich will, weil ich für blöde fächer, die ich leider haben muss, keine Motivation habe. Aber dank dem Text weiß ich jetzt was sache ist: ich mag einfach nur das pauken nicht, aber meinen studiengang Liebe ich. Immerhin weiß ich immer wo ich stehe und sehr freudig auf den masterstudiengang. Scheint wohl nicht der Fall zu sein, wenn man das für sich falsche studiert
    Danke für diese Erkenntnis :)

  17. Antworten

    Djahan

    30. Januar 2017

    Liebe Angela,
    dein Artikel und deine 13 Semester verlangen mir größten Respekt ab! Und noch dazu kam er exakt zur richtigen Minute! Seit Monaten schiebe ich die Bachelorarbeit vor mir her, völlig überfordert vom Thema und dem schreiben an und für sich. In 7 Semestern habe ich es schlichtweg nicht gelernt, wie man sowas macht. Doch nun kam dein Artikel und ich habe mich überwunden, meinem Prof geschrieben, was ich für eine Niete bin und gefragt, ob er meine Arbeit noch betreuen würde. Eine zweite Mail um in Erfahrung zu bringen, welche Fristen ich einhalten muss ist auch eben raus. Ich bin so glücklich, das geschafft zu haben. Okay, jetzt steht nur noch die Bachelorarbeit im weg, aber motiviert bin ich jetzt.
    VIELEN DANK!!

  18. Antworten

    Skadi

    30. Januar 2017

    Liebe Angela,
    hier ist noch ein weiterer Alien. Ich habe 5 1/2 Jahre das studiert, was ich seit meiner Grundschulzeit wollte. Das war vielleicht auch der Grund, weshalb ich nie über andere Alternativen nachgedacht habe.
    Gegen Ende des Studiums beschlichen mich jedoch immer wieder Gefühle, wie „Damit findest du keinen Job, und wenn dann nur in der Wissenschaft und da sind die Arbeitsbedingungen grausig und eigentlich ist das überhaupt nich deins. Nur befristete Verträge. Mitunter Wegziehen aus deiner Heimat, von deinem Freund, mit dem du bereits seit 5 1/2 Jahren eine Fernbeziehung führst und den du nur alle 2 Wochenenden siehst“. Dinge, die man vielleicht auch vor Studienbeginn hätte wissen können, aber mit meinen 18 Jahren dachte ich immer: „Ach 5 Jahre sind eine lange Zeit und dir passiert das schon nicht. Du schaffst das.“ Ich bin im Studium an sich immer gut voran gekommen, es hat mir auch Spaß gemacht und man war ja nicht allein. So hat man solche Befürchtungen von sich geschoben.
    Als ich meine Diplomarbeit abgegeben hatte, fühle ich nicht den besagten Stein vom Herzen plumpsen. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass mit der bevorstehenden Bewerbungsprozedur noch viel mehr Steine auf mich zurollten. Und so hatte ich mich über 1 Jahr immer wieder beworben – nur Absagen, weil mir die „Berufserfahrung fehlt“ – steckte in unbezahlten Praktika und wurde vom Jobcenter in eine Maßnahme gesteckt, die mich den richtigen Gebrauch von „das“ und „dass“ lehren sollten. Dabei wollte ich doch einfach nur einen normalen Job, mit dem ich mir mein einfaches Leben finanzieren wollte. Inzwischen war ich aus meiner WG wieder in meine Heimatstadt, in mein altes Kinderzimmer gezogen. Ich denke jeder kann sich vorstellen, wie das Selbstwertgefühl solch eine Zeit verkraftet. Irgendwann begann dann mein Freund, mich aus meiner permanenten Couchstarre wachzurütteln, indem er sagte: „Du musst dir langsam mal Gedanken um einen Plan B machen, wenn Plan A zur Hölle wird.“ Und das tat ich.
    Jetzt sitze ich hier, 29 Jahre alt, und bin mit meiner Ausbildung fast fertig. Die Jobchancen in dieser Branche sind sehr gut und seit Beginn dieser Ausbildung habe ich endlich das Gefühl wieder atmen zu können und keine Existenzängste mehr zu haben.
    Anfangs war es sehr schwer für mich, Leuten zu erklären, warum ich nach erfolgreich absolviertem Studium nochmal eine Ausbildung in einem völlig anderen Bereich mache. Und noch heute schau ich nicht selten in verständnislose Gesichter. Für ältere Generationen, wie meine Großeltern, ist es völlig unverständlich. Aber heutzutage sind eben andere Zeiten. Meine Kommilitonen von damals haben sich überwiegend in ein Doktorandendasein geflüchtet. Damit haben sie etwa 3 Jahre Aufschub erhalten, aber früher oder später müssen auch sie sich dem Jobmarkt stellen. Ich bin gespannt, wie es ihnen dann ergeht und hoffe für sie das Beste.

    Was ich mit diesem langen Text nun eigentlich sagen wollte: Das Leben ist keine Gerade, vor allem nicht heutzutage. Geradlinige Lebensläufe werden seltener, wenn ich mich in meinem Freundeskreis umschaue. Und ich denke, dass das etwas Gutes hat, denn das, was man aus solchen Erfahrungen lernt, ist, dass es immer irgendwie weitergeht und man aus soetwas gestärkt hervorgeht.
    Hab noch eine schöne Restwoche liebe Angela und Glückwunsch zum Abschluss – auch wenn du den nicht gebraucht hättest, um ein wundervoller Mensch zu sein!

  19. Antworten

    Katharina

    30. Januar 2017

    Liebe Angela,
    erstmal Herzlichen Glückwunsch zum absolvierten Studium! Finally! Ich bin eine stille Mitleserin der ersten Stunde und weiß noch als Du mit dem Studium angefangen hast. Damals wollte ich dasselbe an der gleichen Uni studieren und hab dich sogar nach Tipps für meine Mappe gefragt (gnadenlos durchgefallen in der ersten Runde ;) ). Sei es drum. Momentan studiere ich in den letzten Atemzügen und werde wahrscheinlich auch ein Semester mehr als nötig machen. Natürlich gibt es bei mir auch Endgegner als Dozenten, ungeliebte Fächer und Kommilitonen, mit denen man einfach nichts zu tun haben möchte.
    Jedoch verstehe ich nicht ganz, wo deine Krise eig. herührt. Das taucht nirgends im Post auf. Und deswegen versteh ich auch nicht, warum der Zuspruch für deine Lage so groß ist. Eine Frist zu versäumen, immer wieder, sei es gewollt oder unabsichtlich, nur eine Prüfung pro Semester zu schaffen, und Dinge immer wieder aufzuschieben hat tiefliegendere Probleme.
    Ich möchte nicht, dass das so aufgefasst wird, als würde ich zu hart mit dir ins Gericht gehen, weil es doch einige gibt, die erst mit ihrem Studium nach einem höheren Sinn fragen und dann erst vielleicht bemerken, was sie eig. interessiert. Und dieser Prozess wird immer so weitergehen im Leben, da der Mensch sich stetig verändert. Aber dann sollte man doch für ein besseres Gefühl kämpfen (in welcher Form auch immer) und sich nicht einfach ohnmächtig zurückfallen lassen.
    Das ist das, was mich die letzten Jahre gelehrt haben: Nicht mehr so oft in Selbstmitleid zu schwimmen – hart ausgedrückt. Und das sehe ich auch sehr oft bei meinen Kommilitonen, die sich immer wieder beklagen. Du wirst dir die Leute (Mitstudenten und Dozenten) nicht aussuchen können, mit denen du arbeitest, genauso wie im späteren Leben auch. Man muss sich da einfach ein dickeres Fell zulegen und realistisch sein. Lass Fächer, die du nur schwer verstehst, oder die Bachelorarbeit, etc. niemals so groß werden, dass sie über dir stehen und an dir zweifeln lässt. Und das wird durch das ständige Aufschieben nur begünstigt.
    Ich möchte damit einfach nur sagen, dass es für niemanden leicht ist. Aber machbar. Und dass es viel damit zu tun hat, wie man die Dinge betrachtet und angeht.
    Hoffentlich genießt du nun die Zeit als Bachelorette, du kannst stolz auf dich sein!
    Ich bin gespannt, wohin sich dein Weg entwickelt und wünsche dir dafür alles Liebe und Gute!

  20. Antworten

    Laurinella

    30. Januar 2017

    Gefühle teilen ist immer gut! Die Horror-Szenarien, die wir uns ausmalen und die uns davon abhalten sind meist nur in unseren Köpfen. Niemand ist alleine, es gibt immer Gleichgesinnte oder Menschen mit ähnlichen Schicksalen. Man muss sich nur öffnen und nach ihnen suchen! Danke für deine Offenheit :D

  21. Antworten

    Eva

    30. Januar 2017

    Liebe Angela,

    Danke für diesen Post! Meine Studiengeschichte ist zwar völlig anders als deine, aber dieses Gefühl sich wie ein Alien zu fühlen kenne ich. Absolut. Ich bin 22, ich habe einen abgeschlossenen Bachelor in BWL, ich habe an einer Privatuni studiert. Die Noten waren gut, Praktika waren kein Problem, aber ich war allein. Wir waren 18 Leute in meinem Studiengang. Ich die einzige Frau. Die einzige „Ostdeutsche“, die einzige, die keine reichen Eltern hatte, die einzige, die nebenbei arbeiten musste. Ich war ein Alien. Ich habe den Bachelor durchgezogen, in Regelstudienzeit, mehr Semester hätte ich mir nicht leisten können. Allerdings mochte ich das Studium nicht sehr. Ich wusste ab dem zweiten Semester, dass ich es nicht für immer machen möchte. Also habe ich entschieden danach noch Jura zu studieren. Ich bin mittlerweile 22 und damit immer noch recht jung, ich weiß, im dritten Semester meines Jura-Studiums und immer noch das „Alien“. Ich bin älter als die meisten, „erfahrener“, so blöd das klingen mag. Seit ich studiere habe ich mit blöden Sprüchen zu kämpfen. Nahm mich im Erststudium keiner meiner Kommilitonen ernst, weil ich das kleine Mädchen vom Lande war, so bin ich jetzt diejenige, die eigentlich schon arbeiten könnte und nur zu faul ist. Die ewige Studentin. Die, die ihren Eltern noch länger auf der Tasche liegt. Oder unter meinen Kommilitonen auch gerne „Die Streberin“, weil ich so viele Klausuren schreibe, wie es nur geht, und mich nicht auf jeder Party volllaufen lasse. Um fertig zu werden. Um es hinter mir zu haben. „Wie, du studierst immer noch?“ ist wohl die Frage, die ich am häufigsten zu hören bekomme. Und es ärgert mich jeden Tag aufs neue, es macht mich fertig. Ich liebe Jura, ich bin wirklich sehr gut darin, es macht mir Spaß, aber den Prozess des Studierens, den mag ich nicht. Ich habe schon so oft darüber nachgedacht, einfach abzubrechen und zu arbeiten um den Anforderungen der „Anderen“ gerecht zu werden. Aber das möchte ich nicht. Ich studiere, weil Jura das ist, was ich mir für meine Zukunft wünsche, weil das der Bereich ist, in dem ich mich später sehe. Ich wünsche mir einfach mehr Offenheit. Ich bin mir sicher, es gibt in meinem Studiengang mehr Leute denen es so geht wie mir, die sich aus welchen Gründen auch immer schlecht fühlen, weil sie immer noch oder schon wieder studieren. Aber leider traut sich wohl niemand, das offen zuzugeben. Ich gratuliere dir jedenfalls von ganzem Herzen, dass du den Bachelor geschafft hast! Du kannst stolz auf dich sein! Und ich werde wohl hoffentlich auch irgendwann mein Examen schaffen, um dann nicht mehr die ewige Studentin sein.
    Fühl dich gedrückt!
    Liebe Grüße,
    Eva

  22. Antworten

    sarah

    31. Januar 2017

    Man, man, man! Danke! :) Man macht sich zu viel Stress. Ich habe 11 Semester für meinen BA gebraucht und denke rückblickend: Herrje, was ich alles erleben durfte, gelernt habe, was nichts mit dem Studium – sondern ganz allein mit mir – zu tun hatte!!! Sechs Semester hätten niemals gereicht. :)

  23. Antworten

    Kim

    5. Februar 2017

    Du schreibst so schön! :) Ich habe mein Studium noch vor mir, fange Ende des Jahres an, und bin dann mal gespannt… Wäre ich bloß noch länger im Ausland geblieben!

    Kim | von KIMMARLEN

  24. Antworten

    Agnes

    5. Februar 2017

    Hallo Angela,
    seit einigen Jahren verfolge ich deinen Blog gelegentlich. Alle paar Monate lese ich alles nach was ich verpasst habe. Weil du so gefühlvoll und ehrlich schreibst und mir ganz oft einfach aus der Seele sprichst. Diesmal ganz besonders.
    Gerade bin ich offiziell im 5. Semester. Eigentlich aber schon im 7. Nach drei qualvollen Semestern im verkehrten Studiengang habe ich mich endlich überwunden zu wechseln. Zu spät und natürlich völlig unpassend ins Sommer- statt ins Wintersemester. Seitdem belege ich immer Kurse aus mindestens zwei Semestern gleichzeitig und bin meinen Mitstreitern sowohl einen Schritt voraus, wie einen hinterher. Das ist verwirrend und überfordert mich sehr. Gerade jetzt kämpfe ich mit dem Gedanken an die Bachelorarbeit, die ich eigentlich schon nächstes Semester abgeben sollte. Aber ich habe weder ein Thema noch eine Idee, einen Betreuer, geschweige denn einen zweiten oder eine These. Und schon gar kein Expose mit Grundriss und Arbeitsweise dass ich irgendjemanden vorlegen könnte. Es fühlt sich einfach zu groß und furchteinflössend an überhaupt darüber nachzudenken. Seit Wochen habe ich mir vorgenommen ins Studentensekretariat zu gehen oder zu meinen Professoren in die Sprechstunde. Aber immer drücke ich mich davor. Und jetzt sind schon wieder Semesterferien und damit alle Büros verwaist. Es ist zum verrückt werden.
    Und ich habe so ein schlechtes Gewissen, weil während der ganzen Zeit, meine Eltern für mein Studium aufkommen. Ich beute sie geradezu aus und spiele am Telefon eine heilere Studiewelt vor.
    Wahrscheinlich läuft es also auf 9 Semester für den Bachelor raus. Und ich denke, wenn ich meine Panik beiseite schiebe und deinen Post nochmal lese, wird das gut so sein. Und dann kommt die Zukunft, für die ich noch viel weniger bereit bin als für meine Abschlussarbeit. Aber alles mit seiner Zeit. Eines nach dem Anderen.

    Danke für deine Worte und diese Plattform.
    Alles Liebe
    Alma

  25. Antworten

    Johanna

    27. Februar 2017

    Beim lesen hatte ich Gänsehaut und Tränen in den Augen. Ich verstehe jedes einzelne Gefühl, was du da beschreibst, ganz genau. Du bist sowas von nicht alleine.
    Ich mach ein Fernstudium neben dem Job und hab letztes Jahr aus lauter Bewegungsunfähigkeit und Schock-Starre eine Prüfung bezahlt und bin nicht hingegangen. Ich hätte sie mit Sicherheit nicht geschafft und jetzt versuche ich es in 1,5 Wochen das erste Mal wirklich. Ich hab eine Heidenangst davor, und das ist nur die 1. von 3 Prüfungen. Aber ich freu mich so unglaublich auf dieses befreiende Gefühl hinterher, wenn man weiß, dass man sich selbst besiegt hat. Ich hoffe es ist es wert.

  26. Antworten

    Franzi

    14. Juni 2017

    Ich hab jetzt extra nochmal diesen Post rausgesucht, weil ich dir noch einmal Danke schreiben möchte. Für alles, was du mit deinen Lesern teilst und uns damit gibst. Ich habe in den letzten Tagen eine sehr große Entscheidung getroffen, die teilweise mit dir zusammenhängt. Vor ein paar Monaten hab ich diesen Post gelesen, als ich eigentlich schon entschieden hatte, mein eigenes Studium hinzuschmeißen. Ich hab 2 Jahre länger als Regelstudienzeit gebraucht für ein sogenanntes Orchideenfach, bei dem die Berufschancen sehr sehr klein sind. Dann hab ich diesen Post gelesen und noch viele weitere, in denen du mich mit deiner Art zu leben angesteckt hast. Ich hab es durchgezogen und letzten Monat meine Bachelorarbeit abgegeben. Vor ein paar Tagen hab ich einen sicheren und gut bezahlten, aber für mich langweilen Job abgelehnt, bei dem ich direkt nach dem Studium sogar in meiner Stadt hätte Fuß fassen können. Stattdessen bewerbe ich mich in mehreren fremden Städten teilweise am anderen Ende von Deutschland für den Master. Ich habe Angst vor der Veränderung und dem Alleinsein in einer fremden Stadt und so ziemlich jeder rät mir davon ab, weil man mit dem Studium doch kaum etwas anfangen kann. Und doch habe ich das für mich selbst entschieden. Weil das wirklich seit der Kindheit meine Leidenschaft ist, weil ich es wirklich liebe und nach so vielen Jahren, in denen ich mich nur nach anderen gerichtet hab und nie wirklich das getan hab, was ICH wollte, endlich auf mein Herz hören möchte. Bei dieser schweren Entscheidung hab ich oft an deine Posts und Podcasts gedacht und möchte einfach nur sagen: Danke. Danke, dass du mich motiviert hast, meiner Leidenschaft zu folgen, auf mein Herz zu hören und einfach ich sein zu können. Und ich wette, es geht noch vielen anderen deiner Leser so <3

  27. Antworten

    Jana

    27. September 2017

    Liebe Angela,
    danke danke danke!
    Ich studiere zwar erst im 5. Semester (wobei.. ist ja auch schon so kurz vor dem Ziel des Streberstudenten), fühle mich aber gerade extrem verstanden von dir.
    Wie viele hier hänge ich gerade in einem Loch aus Prokrastination und Angst rum. Hab mir Fristüberschreitungen ohne Ende eingebrockt, weine viel, leg mir noch mehr Steine und Drittversuche in den Weg. Keine Erfolgserlebnisse und wenn doch – dann kommt der nächste Kackhaufen. Mails checken, die „News“ der Hochschule durchlesen, sich in den Vorlesungssaal setzen ist jedes Mal eine riesen Überwindung mit verdammt viel Herzklopfen. Mit meinen Kommilitonen komme ich auch nur mäßig klar, da hast du es mit den Möchtegern-Hipstern echt getroffen.
    Es geht mir gut, wenn ich in den Semesterferien nicht ans Studieren denke, alles weiter aufschiebe, noch mehr Fristen verpasse und mir „letzte Chancen“ einhandle. Es tut gut einfach so zu tun, als gäbe es dieses doofe Studium nicht, aber unterm Strich holt es mich ein, der Bachelor winkt mir zu auch wenn er noch etliche Semester von mir entfernt ist – ich hoffe ich kann wie du noch einmal den Mut aufbringen, aus meinen Loch raus zu krabbeln und die Sache in die Hand zu nehmen. Fertig zu bringen.

    Danke für den tollen Text!

  1. Antworten

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