Ich habe lange überlegt, wie ich einen solchen Post beginnen soll. Oder wie ich eine so große Sache wie Meditation „erklären“ kann, auch denjenigen, die noch niemals etwas damit zutun hatten – eben Leute wie mich, als ich anfing. Letztendlich habe ich mich (mal wieder) dazu entschlossen, diesen Post auf so viele Parts aufzuteilen, bis ich damit zufrieden bin. Es gibt so viel zu erzählen. Und wie immer bin ich der Meinung, es wäre am Besten, euch meine Geschichte zu erzählen.

Der Titel ist ziemlich irreführend. Und eigentlich auch ziemlich daneben. Aber wenn ich jetzt zurückdenke kann ich mich gut daran erinnern, dass ich damals, als ich beschlossen hatte ab jetzt zu meditieren, genau nach so etwas gegoogelt habe – und ich hätte mich wahnsinnig gefreut, wenn ich einen Post wie diesen hier gefunden hätte.

Das Trügerische an diesem Titel ist nämlich, dass man Meditation nicht „lernen“ kann. Weil man es nicht „können“ kann. Es gibt kein allgemein definiertes Ziel  – oder wenn es eines gibt, kann niemand DEIN Ziel definieren. Also kann ich hier auch nicht von einem Ziel sprechen, denn ich weiß nicht, was in Dir vorgeht. Wenn ich mich mit anderen Menschen, die ebenfalls meditieren, austausche, so erzählt jeder stets etwas komplett anderes. Jeder hat andere Methoden, jeder erlebt etwas anderes, jeder fühlt etwas total anderes. Letztendlich ist das, was du dabei fühlst und erlebst, immer genau das Richtige. Es gibt kein „heute hat es nicht geklappt“. Vielleicht hat es sich an einem Tag mal besser angefühlt als an einem Anderen, vielleicht hast du einmal etwas erlebt, was du danach nicht mehr erlebt hast – trotzdem heißt es nicht, dass du etwas falsch machst. Jeder kann meditierenEs ist immer richtig, Hauptsache ist, du tust es.

Meditation hat mein Leben verändert. Eine krasse Aussage, ich weiß, aber so wie ich jetzt hier sitze und darüber schreibe kann, ich es nicht anders ausdrückenIch würde sogar behaupten, dass diese Welt eine bessere wäre, würde jeder Mensch nur zehn Minuten am Tag meditieren.

Zu viel Kopf, zu wenig Herz

Ich befand mich gerade in meiner Bachelorphase, sollte eine 9-Wöchige Hawaii Reise planen und zusätzlich noch genug arbeiten, um mir diese Reise finanzieren zu können. Ich fühlte mich eingeengt und alles war zu viel. Ich tat den ganzen Tag nichts anderes, als zu Denken – zu zerdenken – und bei all dem Denken vergaß ich irgendwie mich selbst. Ich hatte keine 10 Minuten am Tag Zeit um nichts zu tun. Ich tat niemals nichts. Nicht, wenn ich in der S-Bahn saß, nichtmal auf dem Weg dort hin, nicht mal Abends im Bett. Die Dusche am Morgen war wohl die einzige Zeit am Tag, in der ich mich nicht von irgendwas berieseln ließ – sei es Handy, Musik oder Laptop (wer von euch hat noch die besten Einfälle unter der Dusche?). Nichtstun machte mich eigentlich nur nervös. Ich hatte ja keine Zeit dafür.

An dieser Stelle würde ich dich bitte, mal kurz in dich zu gehen und dich zu fragen, wann du am Tag tatsächlich mal nur eine einzige Sache tust. Fährst du manchmal einfach nur Bus? Ohne auf’s Handy starren? Wenn du dir Daheim etwas zu Essen machst – isst du manchmal einfach nur, oder schaust du fern, liest Zeitung? Wann hast du das letzte mal ein Buch gelesen? Oder bist spazieren gegangen ohne Telefon? Ist es vielleicht nur vor dem Einschlafen wirklich still um dich herum? Fällt es dir schwer, im Bett zur Ruhe zu kommen? Hast du manchmal das Gefühl, du hättest so viel zutun, dass dich sogar die winzigsten Kleiningkeiten stressen? Hast du oft das Gefühl, die Zeit rennt dir davon?

Ich dachte immer, ich müsse auf dem Weg dort hin meine Mails beantworten, müsste hier im Bus allen Leuten auf ihre Nachrichten antworten und den ganzen Instagram-Kram erledigen – oder nebenher beim Essen meine Serien weitergucken (die aber manchmal wegklicken, weil eine Mail reinkommt). Ich dachte, ich müsste jede Sekunde meines Tages mit etwas „Sinnvollen“ füllen. Und trotzdem hatte ich am Ende des Tages immer das Gefühl, es war zu wenig. Trotzdem vergaß ich immer essentiell wichtigen Dinge, oder ich schmiss mal wieder etwas runter, oder ich ließ vor lauter Gedankenwirrwarr mein Handy im Restaurantklo liegen. Mein Kopf war überall, nur nicht in meinem Kopf. Ich hatte keinen Ankerpunkt in meinem Leben, der mich zur Ruhe kommen ließ. Ich hatte seit Ewigkeiten kein Buch mehr gelesen (denn wenn man ein Buch ließt muss man sich ja einzig und allein auf dieses konzentrieren). Ich hatte keine sportlichen Hobbys, die mir den Kopf freimachten. Im Prinzip hatte ich verlernt zu sein. Stillsitzen und Nichtstun kam mir nicht in den Sinn – zu wenig Zeit, zu viel zu tun, ich hatte es mir doch nicht verdient, einfach nichts zu tun.

Ich war auch keine gute Freundin zu dieser Zeit. Ich war extrem gereizt und verstand nicht, warum man auf mich und meinen Stress keine Rücksicht nahm. Wieso ist man mir böse, dass ich keine Zeit habe? Ich habe nunmal keine Zeit! Was kann ich denn dafür? Du steckst nicht in meiner Haut!

 

Meditation Lernen für Anfänger

Miteinandersein ohne Miteinander

Als ich in eben dieser Phase meine neuen Freund kennenlernte erinnerte ich mich wieder an das wundervolle Gefühl des Miteinanderseins. Für ihn nahm ich mir Zeit – denn ich bin verliebt, und verliebt sein heißt, dass sich das Herz über den Kopf stellt, ob du willst, oder nicht. Mein Herz zwang mich regelrecht dazu. Ich spreche von der Verliebtheitsphase, in der man nichts anderes benötigt, als die Augen des Partners. Wie oft lagen wir stundenlang da und sahen uns einfach nur an, ohne ein Wort zu sagen. Ich fand mich irgendwie in der Gemeinsamkeit wieder und merkte, wie wundervoll es sich anfühlte, sich genau in diesem süßen Nichtstun zu verlieren. Ich merkte, wie ich dadurch wieder auftankte und viel gelassener, viel geordneter durch den Tag kam. Natürlich leisteten auch Verliebtsein und Endorphine ganze Arbeit, aber das absolute Wohlsein durch Nichtstun ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich fragte mich damals schon, ob es denn richtig war, sich gleich wieder in die nächste Beziehung zu stürzen und verspürte das dringende Bedürfnis, dieses Sein auch ohne ein Miteinander fühlen zu können. Ich wollte auftanken können, ohne von jemandem abhängig zu sein. Ich wollte aus der Misere, in der ich mich befand, selbst rauskommen, ich wollte nur mich selbst brauchen. Ich wollte in mich selbst und in dieses Leben ebenso verliebt sein, wie ihn ihn.

Gerade zu dieser Zeit, Ende letzten Jahres, änderte sich so einiges in mir – ich weiß nicht woher es kam, es kam einfach. Es war dieses „Ich kann das einfach nicht mehr“ Gefühl, von dem ich euch hier bereits erzählt habe. Etwas, was ich erst als Blockade empfand und sich schließlich als Bewusstsein herausstellte. Ich schrieb meine Gedanken wie immer auf, jede verwirrende Veränderung tippte ich ab, manche veröffentliche ich. Und jedes mal, wenn ich mich im Netz nach den Themen, die mich so beschäftigten, umsah, fand ich irgendwelche buddhistischen Zitate, dir mir so vieles erklärten. Immer und immer wieder fühlte ich mich dadurch verstanden, und obwohl ich mich trotzdem nicht tiefer mit dem Buddhismus beschäftigte, dachte ich immer öfter an Meditation. Da muss doch was dran sein.
Wie immer erhielt ich auch hier Zuspruch von meinem Freund und meiner Freundin Christina, die Meditation beide schon für sich entdeckt hattenaber der letzte Impuls, es einfach mal zu versuchen, kam aus mir selbst. Und das war extrem wichtig. Zu meditieren, weil dir ein anderer dazu rät, obwohl du selbst noch nie den eigenen Impuls verspürt hast, zur Ruhe zu kommen, bringt nichts. Für mich klang Meditation ganz einfach logisch. Ich hatte mich selbst beobachtet und herausgefunden, dass all das Nebenher-tun, das nie-bei-einer-Sache-Sein mein Unwohlsein verursachte. Was kann also falsch daran sein, das komplette Gegenteil zu versuchen?
Ich wollte sein. Und sonst nichts. Ich hatte verstanden, dass all der Gedankenwirrwarr in meinem Kopf aufhören musste – wenn auch nur für ein paar Minuten. Ansonsten würde ich eingehen.

Aber wie fange ich nur an?

Wie sollte es gehen? Wie funktioniert Meditation, was ist das eigentlich, was muss ich „tun“? Muss ich mich jetzt erst Stundenlang irgendwo einlesen, um es zu verstehen?
Und jetzt ratet mal, was ich getan habe. Was eine Frau Mitte Zwanzig mit großer Internet-Affinität tut, um etwas neues zu lernen, um Antworten auf ihre Fragen zu bekommen. Richtig – Ich lud mir eine App runter.
Ja, richtig, eine App. (An dieser Stelle möchte ich kurz betonen, dass hier keine Kooperation mit einer App stattfindet und ich mit Sicherheit auch kein Geld von irgendwem für diesen Post bekommen habe.) Für mich war ganz klar: Ich muss das jetzt schnell lernen, habe ja keine Zeit, viel Aufwand soll es eigentlich auch nicht sein und es gibt doch Apps für alles – also öffnete ich eines Nachmittags, als ich mal wieder mit den Händen vor dem Gesicht an meinem Schreibtisch saß und über all die Dinge, die ich noch zu tun hatte, verzweifelte, den App Store. Große Hoffnungen hatte ich nicht, aber wie ich da so saß und in Selbstmitleid versank dachte ich nur: Schlimmer kann es nicht werden.

7Mind

Ich entschied mich für die App mit dem schönsten Design. Im Nachhinein muss ich darüber ein bisschen lachen, aber es war schon richtig so. Außerdem war sie kostenlos, ich hatte also nichts zu verlieren. Ich steckte mir die Kopfhörer in die Ohren, löschte das Licht und atmete ein paar mal tief durch, bevor ich „Grundlagen: 1. Meditation – Was ist Meditation?“ öffnete. Mal sehen, was nun passiert. Ich setzte große Hoffnungen in das kleine, neue Icon auf meinem Handydisplay und eigentlich war ich mir sicher, dass diese Erwartungen nur enttäuscht werden könnten. Aber ich wollte es zumindest endlich mal versucht haben.
Es erklang eine männliche Stimme, die mich gleich beim ersten Wort aufmerksam lauschen ließ. Ich glaube allein die unfassbar angenehme Stimme des Erzählers machte für mich extrem viel aus. Sie war so ruhig, freundlich und verständnisvoll, dass ich nicht anders konnte, als zuzuhören. Ich schloss die Augen und hörte nur zu, und sonst nichts.

An dieser Stelle fände ich es extrem schön, wenn du das gleiche probieren würdest. Mich interessiert sehr, wie andere eine solche erste, angeleitete Meditation empfinden. Ich glaube auch allein durch die Tatsache, dass ich dich dazu auffordere, es mir mitzuteilen, wirst du dich noch mehr mit den Gefühlen in dir selbst beschäftigen. Für ich ist das aufschreiben im Nachhinein fast genau so wichtig wie das einfache erleben.

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Mein Mitschrieb nach der ersten Meditation

Ich habe vorhin mein Zimmer aufgeräumt. Ich meine, ich räume oft mein Zimmer auf, aber irgendwie hat es mir diesmal extrem gefallen. Ich bin aus der Meditation aufgewacht, habe mich umgesehen und beschlossen, aufzuräumen. Erst das, dann das, dann das wegräumen, dann hier noch und da. Das klingt alles wie das Normalste der Welt… aber es war so still! Keine Serie lief und keine Musik. Ich habe vielleicht ein bisschen vor mich hingesummt. Ich glaube, ich habe noch nie so bewusst mein Zimmer aufgeräumt. Wie bescheuert das klingt! Ich hob ein Kleidungsstück hoch, fedelte es über einen Kleiderbügel und hing es auf. Und mit meinen Gedanken war ich genau bei jeder Handbewegung, und sonst nirgends. Nicht bei der Bachelorarbeit und auch nicht bei der Hawaiiplanung. In diesem Moment fragte ich mich, ob ich damit nun Zeit „vergeude“. Zeit vergeude, in dem ich mir keine Gedanken über diese Wichtigen Dinge mache, obwohl ich ja Zeit gehabt hätte. Als ich fertig war mit aufräumen setzte ich mich wieder an meinen Laptop, öffnete nur mein Textdokument und schrieb weiter an meiner Arbeit. Kein Browser war geöffnet, keine Musik lief nebenher, keine Nachrichten poppten auf, mein Handy auf lautlos. Ein paar Stunden später hatte ich mehr geschrieben als die letzten drei Tage zusammen.

Ich glaube, die Tatsache, dass ich es mit dieser 10-Minütigen Meditation geschafft hatte mich endlich einmal nur auf mich selbst zu konzentrieren half mir, meinen Gedankenwirrwar aufzuräumen. Es fühlte sich an, als hätte ich nicht nur mein Zimmer, sondern jeden einzelnen Gedanken in meinem Kopf geordnet. Was ein großer Haufen Wäsche war, hing nun nebeneinander im Kleiderschrank. Was ein unübersichtlicher Haufen an Gedankenfetzen war, waren nun einzelne Gedanken, die sich brav hintereinander anstellten. Erst das, danach das. Und genau so schaffte ich es an diesem Tag geordnet weiterzuarbeiten. Ich tat das erste mal einfach Eines nach dem Anderen, ohne abzuschweifen. Durch diese innere Ruhe erledigte ich so viel mehr als die Tage davor.

Ich war angefixt. Das Gefühl unmittelbar nach dieser kurzen Meditation war so schön und beruhigend, dass ich es unbedingt wieder wollte. Natürlich blieb es nicht bei den aufgeräumten Gedanken, natürlich stresste ich mich schon bald wieder fürchterlich in alles rein – aber ich hatte einen Schritt getan, den ich wieder tun wollte. Und vielleicht würde ich es irgendwann mal schaffen, dieses Gefühl zu verinnerlichen und länger bei mir zu behalten.

Alles, was du fühlst, ist richtig

Die 7Mind App war für mich die perfekte Einführung. Mittlerweile, 9 Monate später, nutze ich sie zwar kaum noch, dafür aber kann ich mittlerweile 30 Minuten lang ruhig sitzen und abschalten. Falls du die Meditation ebenfalls probiert hast und so gar nichts damit anfangen kannst würde ich mich trotzdem freuen, wenn du in Zukunft hier weiterliest – denn Interesse ist offenbar da. Und wie ich am Anfang des Textes bereits sagte: Meditation ist eine so individuelle Praxis, jeder empfindet es andersVielleicht fandest du die Übung komplett scheisse und bist jetzt einfach nur frustriert – und auch das ist für dich absolut richtig. Es zeigt dir nur dein Inneres, wie aufgewühlt du wirklich bist. Wenn alles scheisse war, dann hast du dich zumindest gerade 10 Minuten lang mit eben diesem Scheiss konfrontiert, ganz bewusst, ohne es zu verdrängen und wegzuschieben. Denn auch das ist ungeheur wichtig.

Sag dir selbst immer wieder: Alles, was ich fühle, ist Richtig. Auch alles Negative – man muss im Leben so viel negatives fühlen um daran wachsen zu können. Je mehr du dich mit dir selbst und deinen Gefühlen beschäftigst, umso klarer erkennst du, woher sie kommen – und um so schöner wird diese Erkenntnis sein. Denn erst dann weißt du, was du tun kannst, um endlich etwas zu ändern. Wenn du immer nur versuchst dich von Schmerz und schlechten Gefühlen abzulenken, kommen sie später wieder hervor – vielleicht sogar doppelt und dreifach. Setz dich hin und fühle. Weine über verlorene Lieben, den Stress im Alltag, deine Geldsorgen. Versuch einzig und allein diese Gefühle wahrzunehmen, ohne sie zu verurteilen und ohne vehement daran zu denken, was man denn nun dagegen tun kann. Du tust bereits etwas dagegen, in dem du sie nicht abwehrst sondern zulässt.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mich auch auf diesem Weg hier weiterhin begleitet – denn er ist sehr lang und vor allem: Wahnsinnig schön.

 


 

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