Ich schulde dem Leben das Leuchten in meinen Augen

Ich schulde dem Leben das Leuchten in meinen Augen

„Findest du das hier nicht auch so schön?“, frage ich, das Gesicht in Haaren vergraben. „Irgendwie ist man so in einem Raum gemeinsam, und wenn ich mich umsehe, dann sehe ich nur Menschen, die ich gerne habe und teilweise schon so lang kenne. Und jeder hat sein Päckchen zu tragen, und irgendwie kennen wir alle unsere Päckchen.“ Er stimmt lachend zu. „Ich weiß genau, was du meinst.“
Kurzzeitig liegen und sitzen wir alle nur so da, weil der Song gerade viel zu gut ist, und sich jeder in seiner Welt darin verliert. Wir liegen zu viert auf dem Bett und haben uns in den Armen, als sei es das normalste der Welt. Für uns ist es das. Wen man gern hat, den nimmt man in den Arm. Ich bin so froh darum. Zwischen diesen Menschen hier herrscht eine so tiefe Vertrautheit, und ich bin mittendrin.

„Ich liebe die Träumer, die Aufbruchsgeister, die überall Samen erkennen, die Fehlschläge nicht zu ernst nehmen und immer das Gute benennen.
Nicht die, die die Zukunft auswendig kennen, Begeisterung als Naivität anschaun.
Und die ihre altbekannten Ängste als Ratschläge verpackt um die Ohren hauen.“

Ich habe mich lange nicht mehr so wohl in meiner Haut gefühlt. Und das, obwohl ich nichtmal richtig laufen kann. Es fühlt sich so an, als würde mein Herz simultan zu meinem Fuß heilen. Jeden Tag wird es ein Stück besser, jeden Tag gehe ich weiter, jeden Tag wird es leichter. Alles. Mein Herz, der Alltag auf Krücken, die Ruhe in meinem Kopf. Ich bin frei und ungebunden und merke mehr als jemals zuvor, wie schön diese Unabhängigkeit sein kann. In diesem Raum fliegt so viel lieber herum, und ich sauge sie auf wie ein Schwamm.
Ich habe diese wunderbaren Menschen um mich, die mich aufgefangen haben, als ich mich im freien Fall befand. Der Mensch neben mir, dessen Nähe ich so gut kenne wie mich selbst, hat mich gehalten, als ich nicht mehr konnte, so fest und mit einer solchen Sicherheit, dass es mir immer wieder das Herz zerreisst, wenn ich daran denke.

Die Musik hängt in der Luft wie ein guter Freund, als sei sie Teil dieser kleinen Familie. Manche Leute fragen mich, ob ich nie das Bedürfnis hatte, mal woanders zu wohnen, als in der Stadt, in der ich aufwuchs. Natürlich hatte ich das mal, weil ich dachte, man müsse das ja mal wollen. An Abenden wie diesen aber weiß ich wieder, wieso ich hier bin. Wegen dir, und dir, und dir, und so vielen mehr. Weil diese Menschen hier etwas ganz besonderes sind. Für das viele Lachen, die vielen Umarmungen, das gemeinsam einsam sein.

„Ich schulde dem Leben das Leuchten in meinen Augen.
Wann strahlst du?“

Das Leben ist doch verrückt. Es schenkt uns einen Körper, der laufen kann, rennen kann, sehen, schmecken und hören kann. Und all diese Sinne lassen uns Liebe fühlen, in so vielen Situationen. Manchmal vergessen wird das, wollen unser Äußeres optimieren und sind unglücklich in der Haut, in der wir stecken. Dabei sind wir ein scheiss Wunder der Natur. Ich nehme mir erneut vor, meine Gesundheit niemals wieder für selbstverständlich zu nehmen.

Bald kann ich wieder laufen. Und dann werde ich rennen. Denn ich schulde dem Leben das Leuchten in meinen Augen.

Wann strahlst du?