Ich sprach von Erinnerungen

Ich sprach von Erinnerungen. Wie schön sie sein können, wenn man sie nur zum richtigen Zeitpunkt auspackt, genau dann wenn alte Gefühle nur noch im Kopf aber nicht mehr im Herzen zu finden sind, dann wenn’s nicht mehr weh tut. Und ich sagte, sie seien wunderschön. Ich sagte, man schwebe noch mal zurück auf Wolke sieben oder neun oder eben die, auf der du tanztest, kannst das Erlebte noch mal von Oben betrachten, über dich lachen, den Kopf schütteln und seufzen, weil es doch so schön war.

Wir hatten die tolle Idee, die Matratze in der Küche auf den Boden zu legen. Weil das doch viel bequemer ist als die alten, billigen Ikea-Stühle, die da jetzt schon über zwei Jahre rumstehen. Zeit wird’s für Neue, denke ich mir. Wir lehnen mit dem Rücken am Ofen und lachen laut über den Lippenstift meiner Freundin, der irgendwie in ihrem ganzen Gesicht hängt. „Du solltest den Typen mal sehen“, lallt sie, und ich stelle mir einen Jungen vor, der betrunken auf der Tanzfläche steht und nicht rallt dass er aussieht wie ein Clown. Ich lache und sehe hoch in ein weiteres lachendes Gesicht, ein wunderschönes Gesicht von jemandem, der mir erst ein paar Monate zuvor mein Herz geklaut hat. Meine zwei momentan liebsten Menschen sind bei mir, alle beide genau so vollgeglitzert im Gesicht wie ich, wir haben die ganze Nacht durchgetanzt und der Sonne vom Parkhaus aus zugeguckt, wie sie den Himmel rot anmalte. Was hatten wir für einen schönen Abend, und abgerundet wird er nun noch mit einer ordentlichen Portion Spaghetti. Um sieben Uhr Morgens.
Eine Stunde später liegen wir vollgefressen und wieder halbwegs nüchtern in meinem Bett und glitzern mit unseren Gesichtern meine Kopfkissen voll. Ich liege in der Mitte und schlafe ein, mit einer Zufriedenheit im Herzen die mir niemand mehr nehmen kann.

Heute könnte ich bei dem Gedanken an diesen Abend kotzen. Ich könnte mit den widerlichen Gefühlen, die solche Erinnerungen in mir auslösen einen Ozean füllen. Ich dachte vor einiger Zeit noch genau so an solche Situationen zurück, wie ich es mir erhofft hatte; ohne vermissen oder Herzschmerz oder Wut. Weil alles, was danach passierte bereits vergeben und vergessen war und man sich sogar schon wieder in die Augen sehen konnte.

Und dann – dann kriege ich eine wirre Nachricht und alles bricht in sich zusammen. Auf jeder Karte dieses Kartenhauses steht eine dicke fette Lüge, und das Haus ist verdammt hoch gebaut. Wie beim Mikado ziehe ich Stunde für Stunde eine weitere hervor und kann nicht fassen, was darauf zu lesen ist. Jede Erinnerung, die ich als unersetzlich abgespeichert hatte formt sich zu einer ekelhafen Fratze und lacht mich aus, weil ich blind vor Liebe wie ein scheiss Maulwurf unter der Erde gewandert bin. Nichts davon ist mehr irgendetwas wert. Ehrliche Momente, die mir das Herz erwärmten waren nicht ehrlich. Von der ersten Sekunde an war nichts davon ehrlich. Und natürlich habe ich es geglaubt, als mir die Welt versprochen wurde, weil ich dich nur so kennengelernt habe. Das allererste was du je zu mir gesagt hast war eine Lüge, und weil ich dir damals glaubte stellte ich nie auch nur eines deiner wunderschön verpackten Worte in Frage.

„Ich bin für ihn durch die Hölle gegangen“, lese ich.
„Ich auch“, antworte ich.

Die Erinnerungen sind wieder weggegraben. Ganz tief. Manchmal wünschte ich, ich hätte mir alle Situationen gleich aufgeschrieben, zu der Zeit als ich dachte all das wäre Wahr gewesen.  Es ist unmöglich, die Erinnerungs-Box nochmal zu öffnen und auch nur irgendetwas positives darin zu sehen. Ich kann nur hoffen, dass ich irgendwann über all das lachen kann und dass Café Karma serviert, was dieser jemand verdient hat.

Ich wünschte ich hätte es damals gleich alles abgetippt. Ich hätte tolle Geschichten geschrieben.

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  1. Antworten

    Rosie

    16. November 2014

    Wünsche dir alles gute für die Zukunft, meine Liebe :*

  2. Antworten

    Bella

    16. November 2014

    Du schreibst so toll, nicht nur dass man das Gefühl hat dabei zu sein, sofort erkennt man sich selbst wieder. Vielleicht nicht so krass, aber dennoch ein Stück weit.
    Ich hoffe, das Leben schenkt dir sehr bald schöne Erinnerungen, die auch schön bleiben und nicht irgendwann wehtun.

    Liebe Grüße, Bella

  3. Antworten

    Anonymous

    16. November 2014

    <3 so viel liebe an dich! Jeder Sonntag wird perfekt mit deinem sonntagspost, das lesen ist bei mir mein sonntagsritual. Immer mit einer Tasse Tee im Bett und ich freue mich darauf jeden Sonntag wie ein kleines Kind. Ich wünsche dir nur das Beste, auch die schlechten Zeiten gehen vorbei.

  4. Antworten

    Esra

    16. November 2014

    Boah, sowas ist echt krass :((
    Aber daraus lernt man… Nicht, niemals mehr zu vertrauen, sondern, vorsichtiger zu sein. Man lernt meist zu einem sehr teuren Preis… Weiß auch nicht, warum das im Leben so sein muss :/
    lg
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

  5. Antworten

    Öch

    17. November 2014

    Ist es gefühlt, ist es echt, no matter what. I guess.

  6. Antworten

    REDSteffi

    17. November 2014

    Karma´s coming back.. warte es nur ab. Ich glaube fest daran, niemand entkommt seinem Karma. Ich hoffe für dich dass bald bessere Zeiten kommen.. ♥

    LG Steffi

    http://www.redseconals.com

  7. Antworten

    Lucie

    18. November 2014

    Weil ichs bisher noch nie geschrieben habe, tu ichs heute: Du schreibst so wunder- und nachfühlbar, und ich freue mich jedes Mal, wenn ich einen Textpost von dir sehe! Ich finds auch sehr bewundernswert, dass du (als Bloggerin mit doch ziemlich hohem Bekanntheitsgrad) so persönlich schreibst und dich traust, dich damit auch in Gewissem Maße verletzlich zu machen…das bekomme ich in letzter Zeit überhaupt nicht mehr hin, noch nicht mal privat :). Kurz und bündig: Ich mag dich. Ich wünsch dir dass solche Dinge wie im Text da oben nicht mehr passieren. Alles Glück der Welt an dich, hab einen schönen Tag!

  8. Antworten

    Janina

    18. November 2014

    Bei mir war es so:
    „Ich liebe ihn“, lese ich.
    „..ich auch“, antworte ich.

    Ich finde mich sehr gut in deinem Text wieder.. „Ich wünsche ihm nichts Schlechtes. Nein, nur das Beste, damit er es wieder verliert“. Bitte Karma!

  9. Antworten

    Anonym

    19. November 2014

    Du sprichst mir im Moment einfach so aus der Seele!
    Ich liebe deine Texte, bitte mach weiter so, und Kopf hoch!

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