Fitness für Sportmuffel: Ausreden über Ausreden

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Jetzt mal Hände hoch, wer hat geglaubt, dass da noch was komm? Niemand? Ich kann’s verstehen. Mein erster „Ich mach jetzt Sport. Echt jetzt“ Post ist sieben Monate her. SIEBEN MONATE. Ihr könnt euch vielleicht in etwa vorstellen, wie unangenehm das Ganze für mich ist, erst große Töne zu spucken und dann… krieg‘ ich’s (mal wieder) nicht auf die Kette. Ich dachte die Tatsache, dass ich es nun öffentlich mache, würde mich vielleicht endlich motivieren – je weniger Ausreden ich habe, desto eher würde ich schon trainieren gehen. Pustekuchen. Es gibt leider immer Ausreden.

Heute, sieben Monate später, kann ich endlich behaupten: Ich hab’s tatsächlich geschafft, Sport in mein Leben zu integrieren. Ich mache nicht nur einfach Sport, ich brauche es sogar.
Und es tut mir so leid, dass ich es nicht über’s Herz gebracht habe, mir regelmäßig den Frust von der Seele zu schreiben, denn eigentlich wollte ich genau das tun. Ich wollte euch an jedem bisschen Frust teilhaben lassen, um zu zeigen, dass ihr nicht allein dasteht. Aber in dieser Hinsicht habe ich auf ganzer Linie versagt. Ich hoffe ihr verzeiht mir, dass es mir schlichtweg zu peinlich war, und dass ich erst jetzt, nachdem ich etwas „erreicht“ habe, den Mut aufbringe, euch von meinem Weg zu erzählen.

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Drehen wir die Zeit einmal kurz zurück.

Irgendwann Ende 2015 bekam ich eine Mail von Jenny, die als Trainerin bei Nautilus München arbeitet. Sie fragte mich, ob ich nicht Lust hätte auf eine Zusammenarbeit: Ich dürfte kostenlos im Studio trainieren und im Gegenzug schreibe ich etwas über das Studio. Als ich dann im April aus Hawaii wiederkam folgte ein Gespräch mit Robert, dem Geschäftsführer, der ebenfalls sehr angetan war von der Idee. Beide betonten auch, dass ich niemals reine Werbung machen solle, sondern ganz ehrlich schreiben darf, wie es mir dort gefällt.

Was für eine perfekte Motivation! Ich habe die Möglichkeit komplett kostenlos in einem guten Fitnessstudio zu trainieren – welches außerdem nur zwei Busstationen bzw. 5 Fahrradminuten von meiner Haustüre entfernt liegt? Wie geil ist das denn? Was sollte mich nun noch davon abhalten? Welche Ausreden gibt es jetzt noch?

Aber wer Ausreden sucht, der findet auch. Und ach, es gab so viele Gründe, nicht hinzugehen. Hier eine Auswahl meiner liebsten Ausreden (wie viele davon treffen auf euch zu?):

  • Das Studio ist so weit weg
  • Ich brauche mehr Abwechslung
  • Ich habe keine Begleitung
  • Es ist zu zeitaufwändig
  • Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich da machen soll
  • Ich sehe keine Resultate
  • Ich habe so krassen Muskelkater, dass ich danach ewig keinen Sport mehr machen kann/will
  • Ich fühle mich nicht fitter
  • Ich fühle mich eher geschwächt, wenn ich mit meinem Training fertig bin
  • Es macht mir ganz einfach keinen Spaß

Den ersten Monat waren all diese Ausreden natürlich hinfällig (die Erste fiel natürlich weg). Alles war neu, die Motivation noch frisch. Ich bekam einen Trainingsplan erstellt, die ersten drei Mal trainierte ich sogar mit Termin und personal Training (was übrigens Standard ist bei Nautilus). Aber schon bald merkte ich, dass reines Gerätetraining nichts für mich ist, es war mir schlichtweg zu langweilig. Punkt Drei fing an in meinem Kopf umherzukreisen:

Ich brauche mehr Abwechslung

Aber auch hier wusste ich, dass ich sie mir Studio einfach holen konnte: Immerhin gibt es ein riesiges Kursangebot und auch das durfte ich frei nutzen. Yoga bereitete mir mega viel Spaß – perfekt für Anfänger, perfekt für die Entspannung nach dem Training. Ich gehe heute immer noch gerne in den Yoga-Kurs, aber als Training reichte mir das nicht. Also testete ich noch Jumping und Bauch-Beine-Po – und fühlte mich nach beiden Kursen wie der größte Bewegungsidiot ever. Ich war so vollkommen am Ende, dass ich beide Male kurzzeitig dachte, ich würde umkippen. Ich kam mir komplett verloren vor. Versteht mich nicht falsch, die Kurse waren spitze und die Trainer sowieso mega nett – aber ich war schlichtweg überfordert. Ich überforderte mich selbst. Ich hätte ja auch einfach langsam machen können, aber im Vergleich zu den anderen fühlte ich mich wie der unsportlichste Mensch auf Erden. Demotivation dreitausend.

Nach nur ca. 8 Wochen fiel ich wieder in ein Sport-Tief. Vielleicht bin ich einfach nicht dafür gemacht. Vielleicht muss ich mich damit abfinden, dass ich niemals das erreichen werde, was ich möchte. Ich konnte mich nicht mehr motivieren. Gar nicht mehr.

Im Hinterkopf aber hatte ich immer noch diesen Post. Und natürlich die Tatsache, dass ich einer Kooperation zugesagt hatte. Ich machte mir selber mega viel Druck, und wie immer, wenn mir alles zu viel wird, laufe ich weg und mache gar nichts. So auch hier.

Vor ein paar Monaten dann fragte Jenny mal vorsichtig nach. Immerhin hatte sie mich reingeholt, natürlich wollte sie mal nachhaken, was denn der aktuelle Stand sei. Für mich gab es keine Ausreden mehr – also erzähle ich ihr einfach die Wahrheit. Dass ich nichts schreiben will, wenn es nicht ehrlich ist. Dass ich keinen Blogpost über das Studio verfassen kann, wenn ich es selbst gar nicht mehr nutze. Natürlich hätte ich euch von all den Kursangeboten, dem tollen Probetraining und der wunderbaren Atmosphäre erzählen können – aber persönliche Erfolge? Ich hätte lügen müssen.
Jenny war mehr als nur verständnisvoll. Wenn ich eben noch keinen Zugang zum Sport gefunden habe, dann ist das nunmal so. Dann solle ich auch nicht lügen. Sinn des Nautilus-Konzepts ist es ja, meine Ziele zu erreichen – und wenn das nunmal noch nicht der Fall ist, muss ich auch nichts schreiben, was nicht der Wahrheit entspricht. Und dann schlug mir Jenny etwas vor, was mir und meiner Demotivation den letzten Rest gab: „Wenn es dich motiviert Angela, dann darfst du ab jetzt immer jemanden zum Training mitnehmen.“

Ich habe keine Begleitung

Und mit einem mal verschwand ein weiterer Punkt von meiner Ausreden-Liste. Ein dicker, fetter Punkt. Meine erste Amtshandlung: Es im Freundeskreis breittreten. Jeder Einzelne freute sich riesig über die Möglichkeit, kostenfrei ab und zu in einem guten Fitnessstudio trainieren zu können – aber natürlich durften sie immer nur gehen, wenn ich auch ging. Ich hatte also auf einmal fünf weitere Gründe, mehrmals die Woche Sport zu machen. Und wenn du jede Woche von mindestens zwei dieser Leute gefragt wirst, ob sie denn nicht mal wieder mitkommen können – dann tust es nicht nur für dich sondern auch noch für den Anderen. Und nicht zu vergessen: Zu zweit macht alles doppelt so viel Spaß!

Und auf einmal war ich wieder all-in. Und bin es bis heute.

Ich weiß, dass einige von euch sich jetzt sicher denken: Aber ich habe diese Möglichkeiten nicht! Ich kann nicht kostenfrei trainieren, das Studio ist nicht um die Ecke und ich darf auch nicht jedes mal jemanden mitnehmen. Das stimmt, da habt ihr absolut recht. Aber ich habe aus dieser ganzen Sache doch einiges gelernt, was ich an euch weitergeben kann:

Such dir ein Fitnessstudio, in dem du nicht wie eine Zahl behandelt wirst, sondern wie ein Mensch.

Es macht so, so viel aus. Bei McFit oder FitStar läuft das Gaze nämlich so ab: Sobald sie den Vertrag mit dir in der Tasche haben, bist du egal. Hauptsache du zahlst. Bei Nautilus ist das Gegenteil der Fall. Ich kenne mittlerweile alle Trainer beim Namen und sie kennen mich. Sobald du dich in einem Studio wohl fühlst, traust du dich auch, über deine Probleme zu reden. Denn hier schaut dich keiner schief an, wenn du ganz ehrlich sagst: Mir fehlt einfach die richtige Motivation.
Ganz im Gegenteil, man wird dir helfen, dir Kurse zum Testen anbieten und dir beiseite stehen. Vielleicht brauchst du auch einfach immer einen festen Termin. Wenn du jemand bist wie ich, der sich so oft nicht überwinden kann einfach mal ins Studio zu fahren, frag, ob dir jemand in den Arsch treten kann – und sei es nur mit einem Anruf: „Na, hast du nicht gesagt, du kommst heute zum trainieren?“
Du kannst mit den Leuten dort reden und sie werden dir zuhören. Das ist das schöne daran, ein Mensch zu sein, und nicht nur eine Zahl.

Es wird leichter – und besser!

Es ist ganz egal, was dir den letzten Motivationsschub gibt – wichtig ist nur, dass du über einen längeren Zeitraum regelmäßig trainierst. Irgendwann überwindest du einen Knackpunkt, irgendwann bist du quasi „über den Berg“ – und plötzlich siehst du Resultate nicht nur, du fühlst sie auch. Heute brauche ich keine Begleitung mehr, um mich zu motivieren, ich kann es von ganz alleine. Ich will es einfach. Denn was ich durch den Sport mittlerweile fühle ist das, wovon alle immer sprechen, woran ich selbst nie geglaubt habe: Ich bin fitter. Ich bin wacher, ich bin besser gelaunt. Ich bin sogar schon so weit, dass es mich richtig in den Füßen juckt, wenn ich mal zwei Tage lang nicht trainiert habe. Ich merke dann, wie ich wieder müder werde, lustloser und irgendwie schwammig.

Es gibt noch so viel mehr zu erzählen: Über die Wahl des richten Studios und darüber, wie auch ihr es „über den Berg“ schaffen könnt, wie auch ihr all die Ausreden von der Liste streichen könnt, denn: Wenn ich das kann, könnt ihr das auch. Aber für heute ist erstmal Schluss. Ich verspreche euch, auf den nächsten Post müsst ihr nicht wieder sieben Monate warten.

Danke an das Nautilus Fitness-Team (und vor allem an Jenny), dass ihr mir all die Zeit gegeben habt, die ich gebraucht habe. <3

P.S.: Falls ich euer Interesse am Studio geweckt habt, schreibt mir gerne eine Mail. Ich kenn mich ja mittlerweile ganz gut aus. ;)

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  1. Antworten

    Lucia

    16. November 2016

    Wie immer: Danke für deine Ehrlichkeit!

  2. Antworten

    Christiane

    17. November 2016

    Ich habe jetzt schon einige Fitnessstudios hinter mir und bin derzeitig bei McFit/High5 – und bin damit zufrieden. Es ist kostengünstig, bietet eine Friends-Option (also ich kann einen Freund zum Training mitnehmen) und hat 24 Stunden offen (McFit – High5 nicht)…
    Ich bin jemand der frühs trainiert, weil ich da irgendwie die Kraft und Motivation für hab. Im Laufe des Tages nimmt das eher ab… Und ich finds eigentlich ganz gut, dass man da ziemlich auf sich alleine gestellt ist, aber ich habe ja drei Trainingspläne aus den Studios davor, die ich abarbeiten kann ;)

  3. Antworten

    liola

    17. November 2016

    Ich hab nach langem Hin und her das gekommen was am nächsten dran ist.
    Zufrieden bin ich da nicht, der Vertrag geht 6 Monate, im studententarif. Ich weiß noch nicht was ich danach machen soll. Aus Mangel an alternativen bleibe ich vermutlich da
    Schade, ich hätte auch gerne persönliche Beratung und nette Menschen um mich. Bei der Hälfte der Geräte weiß ich nichtmal wie man sie bedient, und es gibt zwar Kurse, aber niemand hat mir erklärt welche xD
    Wenn man die Wahl hat sollte man nicht Ins cleverfit wenn man Neuling ist
    Liebe Grüße
    Toller Artikel :)

  4. Antworten

    Angie

    17. November 2016

    Haha, das kenn ich nur zu gut! Schön, dass es bei dir geklappt hat und dir jetzt auch richtig Spaß macht!

  5. Antworten

    Andrea

    17. November 2016

    Da geht es mir wie dir, ich habe auch seit Juni angefangen Sport zu machen und seitdem mehrmals wöchentlich – geht nicht mehr ohne!

  6. Antworten

    Andrea

    17. November 2016

    Ich kann mich leider nicht so recht üerwinden anzufangen weil ich immer so ungeduldig bin wenn etwas nicht gleich klappt..ausserdem habe ich dann das Gefühl das mich alle als Anfänger entlarven und anstarren.hach so ein Teufelskreis.. :/

    • Antworten

      Angela

      18. November 2016

      Liebe Andrea, genau deshalb solltest du dir ein Studio suchen, in dem du dich wohl fühlst. Ich habe McFit vor allem wegen diesem Schaulaufen nicht leiden können. Ich will trainieren, ohne angestarrt zu werden, egal ob von Mann oder Frau. Schade dass du nicht aus München kommst, sonst hätte ich dich einfach mal mitgenommen, damit du verstehst, was ich meine :)

      Liebe Grüße!

  7. Antworten

    Rebecca

    17. November 2016

    Haha, ja mir kommen ein paar der Ausreden durchaus bekannt vor! Schön, dass du einen so motivierenden Post verfasst hast!
    Liebste Grüße,
    Rebecca von http://becciqueeen.blogspot.de

  8. Antworten

    Chrissi

    18. November 2016

    uhh, das ist mein Thema. Schreibe auch grade meine Abschlussarbeit im Bereich Sportpsychologie über Motivation im Breitensport und mein Tip ist: Such dir den Sport, den du liebst!

    Das Problem am Fitnessstudio ist, dass es sehr schwer ist eine intrinsische Motivation aufzubauen. Fitnessstudio ist nicht für jeden was – auch wenn die alleine Anzahl an Fitnessstudiomitgliedern in meinem Umfeld mich das manchmal glauben lässt. Es ist im Prinzip nur eine Sportart – und Fußball, Schwimmen, Laufen, und Eiskunstlauf sind nun mal auch nicht für jeden etwas.
    Man sollte sich auf die Suche begeben nach der Sportart, für die man Grenzen überwinden möchte. Fitnessstudio ist eher eine sehr sinnvolle Zusatzoption um genau diese Grenzen zu erreichen.
    Versteh mich nicht falsch – auch der ein oder andere hat im Fitness seine Leidenschaft gefunden! Und das ist großartig! Aber für die meisten reicht das Ziel ‚ich will fitter werden‘ nicht aus. Wenn man aber unbedingt höher springen möchte, um diesen einen komplizierten Sprung endlich zu schaffen, hat man eine ganz andere Motivation.
    Vielleicht zum Verständnis meine eigene Geschichte:
    Ich war habe mich immer für einen unsportlichen, undisziplinierten Menschen gehalten. Irgendwann habe ich mich dann in einem Fitnessstudio angemeldet und habe dort auch 2 Jahre regelmäßig trainiert. Auch ich konnte meine Füße nicht mehr still halten, aber eher weil mein schlechtes Gewissen mich angetrieben hat und ich die bisher investierte Zeit ja nicht umsonst da rein gesteckt haben wollte. Wirkliche Motivation war nicht da. Alles war eher Routine, auch wenn ich mich angestrengt habe. Ein Glücksgefühl wenn ich mal 5kg mehr stemmen konnte blieb aus.
    Durch Zufall bin zum Laufen gekommen und irgendwas hat sich schlagartig verändert. Man könnte diesen Pinterest-Spruch schon fast auf meine Sportgeschichte ummünzen: ‚Wenn du den Sport gefunden hast den du liebst, weist du warum es mit allem anderen nicht geklappt hat.‘
    Ich will schneller, weiter, schöner laufen. Ich trainiere, weil ich besser werden will. Aus keinem anderen Grund und jede Ausrede würde sich nur gegen meinen eigentlichen Wunsch richten.
    Mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass ich unsportlich bin.
    Irgendwann habe ich mich auch einer Laufgruppe angeschlossen um im Winter nicht im dunkeln alleine laufen zu müssen und wurde so weit inspiriert, dass ich mich jetzt sogar für meinen ersten Marathon nächstes Jahr angemeldet habe. Und ich freu mich schon riesig drauf mich durch die 42km zu quälen. Dafür erdulde ich sogar Krafttraining und Tempoläufe.
    und glaubt mir – das hätte niemals jemand von mir gedacht. Ich am aller wenigsten.

    Probiert alles aus! Stellt fest, dass das ein oder andere doch nichts ist und probiert was neues aus. Vielleicht landet ihr ja irgendwann tatsächlich beim Eiskunstlauf. Glücklicherweise gibt es ja fast überallirgendwelche Laufgruppen, Schwimmvereine, verrückte Uni-Sport-Gruppen, Kampfsportvereine oder was auch immer.

    Tut mir leid für den langen Post, aber das Thema liegt mir sehr am Herzen. Ich finde es furchtbar, dass viele am Fitnessstudio scheitern und deshalb glauben sie seien unsportlich. Ich wünsche mir sehr, dass dieser weit verbreitete Gedanke ‚ich will fitter werden, ich gehe ins Fitnessstudio‘ verschwindet und jeder einfach den Sport findet, für den er brennt.
    Dann gibt es auch schnell keine Ausreden mehr.

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