Ich mach‘ jetzt sport. Echt jetzt.

Ich bin jetzt sechsundzwanzig und habe niemals in meinem Leben regelmäßig Sport gemacht. Vielleicht liegt das so ein bisschen in der Familie. Es gibt vereinzelte Sonderfälle irgendwo im versteckt in der Verwandtschaft, aber so generell – habe ich weder väterlicher noch mütterlicherseits ein Sportler-Gen abbekommen. Dabei war ich früher im Sportunterricht immer die beste. Ich lief schneller als die Jungs, sprang am weitesten und machte wirklich ganz wunderbare Purzelbäume.
Trotzdem war Sport ist für mich immer Arbeit, ich fand einfach keinen Spaß an körperlicher Betätigung. Mein Orthopäde riet mir jedes mal, wenn mir die Kniescheibe mal wieder raussprang, ich solle doch einfach regelmäßig ein paar Übungen machen um meine Beinmuskulatur zu stärken – nicht einmal das konnte ich. Lieber riskierte ich es, sechs Wochen auf Krücken zu laufen.

Mittlerweile aber komme ich in ein Alter, in dem mich meine Faulheit einfach nur nervt. Ich mag mein Leben, ich möchte es so lang wie möglich auskosten können, und das gesund. Ich will Sport machen, ich möchte Sport in mein Leben integrieren, und zwar so, dass es irgendwann normal für mich ist.

Wenn ich so zurückdenke an meine vergangenen, gescheiterten ich-fang-jetzt-mal-mit-Sport-an-Versuche, komme ich immer wieder zum gleichen Ergebnis: Ich hatte die falsche Motivation. Ich wollte immer trainieren gehen, weil ich abnehmen wollte, weil ich schöner sein wollte, weil ich so sein wollte wie sie oder sie. Ich wollte jemand anderes sein, als ich bin – und die Lösung für dieses Problem liegt eigentlich auf der Hand: Man kann immer nur man selbst sein, und entweder hasst man dieses Selbst und bleibt ein Leben lang unglücklich – oder man lernt es zu lieben. Du wirst nämlich immer „nur“ du selbst bleiben, egal, wie sehr du dich anstrengst. Es gibt keine andere Möglichkeit als es anzunehmen. Und wenn man das einmal geschafft hat, ist alles andere auf einmal Kinderleicht.

Ich bin noch nicht perfekt darin mich selbst zu lieben (und ich glaube keiner ist das), aber ich laufe in die richtige, in meine Richtung. Ich möchte ich nicht mehr verbissen einen perfekten Modelkörper herbeitrainieren, sondern einfach mal nicht schnaufen müssen, wenn ich irgendwo Treppen hochsteige. Ich möchte auf Berge klettern können, um die Aussicht zu genießen, und stundenlang um einen See laufen, ohne mich quälen zu müssen.

Wisst ihr, ich bin auf Hawaii an meine körperlichen Grenzen gegangen. Chrissy und ich haben Höllen-Hikes gemeistert, und das nicht nur einmal. Auf Maui sind wir 20 Kilometer in der brütenden Hitze durch einen Vulkan gewandert – 15 davon ohne Schatten, die letzten 5 mehr klettern als wandern. Drei Tage hintereinander haben wir den Waimea Canyon auf Kaua’i erkundet – jeden Tag bis zu 12 Kilometer, teilweise nur Bergauf. Und jedes mal, wenn ich dachte, ich kann nicht mehr – musste ich weiter. Und es ging. Es geht immer. Und auf einmal fand ich es sogar schön, meine Körper zu spüren und mich an meine Grenzen zu bringen. Ganz am Ende unserer Reise joggte ich eine ganze Stunde am Strand entlang, und jeden Schmerz den ich fühlte, jede Böhe gegen die ich anrennen musste fand ich einfach nur wunderbar.

Ich glaube, ich bin endlich bereit, Sport und Fitness in mein Leben zu integrieren. Ohne ein Schönheitsideal vor Augen – nur mit dem Ziel, fit zu sein. Gesund zu sein. Ich möchte gerne Muskeln betätigen von denen ich nichtmal wusste, dass sie existieren. Ich will mindestens 10 Kilometer joggen können. Ich will keine Angst mehr haben müssen, dass mir die Kniescheibe rausspringt. Ich habe offensichtlich einen Haufen Energie in mir, die nur darauf wartet, mal losgelassen zu werden. Jeder hat das.

Warum ich euch das alles erzähle?
Ich hätte euch gerne mit dabei. Mit jedem Fortschritt und jeder Frustration. Ich möchte euch von meinem Weg erzählen, von Anfang an, denn ich bin mir sicher, dass es einigen von euch genauso ergeht wie mir: Ein Leben lang versucht und immer gescheitert. Ich stehe hier gerade ganz am Anfang, vielleicht genau wie du.

Ich möchte allerdings was Sport betrifft immer ehrlich zu euch sein können. Mir persönlich bringen all die Fitness-Motivationen auf Instagram nämlich rein gar nichts. Ein Mädchen, dass offenbar kein Problem damit hat täglich zwei Stunden lang zu trainieren und ständig ihre Bauchmuskeln in den Spiegel hält motiviert mich nicht – ich wünsche mir mehr Echtheit. Ich will euch auch mal sagen können, wenn ich keinen Bock mehr habe, wenn ich mich wieder quälen muss, wenn ich wieder alles scheisse finde. Ich will auch meckern können. Eigentlich… will ich gerade Mädchen wie mich selbst motivieren. Es ist nämlich vollkommen okay, mal einen Durchhänger zu haben. Ich wünschte mir nur es würde mehr kommuniziert werden. Gerade in Sachen Sport ist Social Media nämlich wirklich kein real life. Ich werde versuchen es besser zu machen – oder eben „schlechter“, wenn man es so will. Und ich würde mich riesig freuen, wenn ihr mich begleitet.

dazwischen

 

 

 

 

 

 

 

 

Danke Nautilus Fitness für die Fitness-Motivation! :)

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  1. Antworten

    Marie

    20. April 2016

    Klasse Post! Auf einer ähnlichen Reise befinde ich mich auch gerade. Ich habe nun mit einem Sport begonnen weil er mir Spaß macht und nicht damit ich die super durchtrainierte Form wie die ganzen insta-chicks haben werde ? Schaff ich wahrscheinlich sowieso nicht aber darum geht es mir auch gar nicht mehr^^ ich würde mich sehr freuen wenn wir dich auf deiner Reise begleiten können und du auch dann bzw gerne auch gerade dann davon berichtest wenn es mal nicht so super läuft
    Liebe Grüße:)

  2. Antworten

    Janina

    20. April 2016

    Sehr schön geschrieben.

    Ich schaffe es seit einer Weile regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen. Allerdings habe ich nicht wirklich Spaß daran. Mache es hauptsächlich, weil mir verschiedene Ärzte das seit Jahren raten (schiefe Wirbelsäule, schwache Muskulatur im Rücken etc pp).
    In der Schule habe ich Sport gehasst. Ich bin allerdings auch eher der tollpatschige Bewegunslegastheniker und mir wurde mal von meiner Lehrerin gesagt, dass ich „für Sport nicht geeignet sei“. Da fällt es dann auch schwer Freude daran zu finden.

  3. Antworten

    Feli

    20. April 2016

    Ich wünsche dir ganz viel Erfolg auf deiner Reise :) Ich blogge fast nur über Sport und Ernährung, vielleicht gefällt dir ja mein Blog auf http://www.felinipralini.de
    Glg, Feli :)

  4. Antworten

    Alexandra

    20. April 2016

    Toll geschrieben und ein Thema was mich gerade zu 100% anspricht!

    Ich bin nämlich gerade an genau dem selben Punkt – Schulsport war jedoch für mich immer die Hölle. Schon 24h bevor es in die muffigen Umkleiden ging bekam ich Bauchschmerzen und all die Sportstunden waren für mich einen Tortur.
    Wie oft habe ich mir gesagt: Diesen Sommer wird alles anders, diesmal werde auch ich sportlich. Jedesmal natürlich schon am ersten oder zweiten Tag gescheitert, all diese Fitness und Ernährungs-Apps haben mich nur demotiviert, ich esse viel zu viel angeblich und all die Übungen waren nicht nach dem was ich suchte.
    In den letzten Wochen habe ich mich mehr mit dem Thema auseinander gesetzt, was Sport mit unserem Körper macht, oder eher viel mehr, was passiert, wenn wir keinen Sport machen. Ich fand die Ergebnisse erschreckend und beängstigend. Ich möcht LEBEN meine Zeit geniessen ohne Einschränkungen von Alterskrankheiten, die durch Bewegungsmangel schon eingetroffen sind.
    Ich habe mir zudem kleine Ziele gesetz: 5km – für viele ist es vermutlich nicht weit. Für mich bisher noch viel zu weit zum joggen. Doch ich arbeite an mir. Fange an wirklich (!) joggen zu gehen und es nicht zu planen. Einfach loslaufen und den inneren Schweinehund wegwerfen.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn du uns mitnimmst auf deinem Weg – einem echten Weg mit Höhen und auch Tiefen.

    Viel Glück!

    Liebe Grüsse aus Schweden,
    Alexandra

  5. Antworten

    Anni

    20. April 2016

    Liebe Angela, wie so oft sprichst du mir aus der Seele. Ich liebe es in der Natur zu sein, zu wandern, oben auf Bergen zu stehen. Nur fehlt mir oft die Kraft dazu, weil ich im Alltag nichts mache. Es gibt nur null oder hundert. Ich freue mich mit dir in das Sportabenteuer zu starten! Anni

  6. Antworten

    Kristina

    20. April 2016

    Oh ja, du hast da einen richtig klasse Post geschrieben! Ich bin jetzt auch an einem Punkt angekommen, an dem ich unbedingt wieder Sport machen will. Ich habe so oft schon angefangen, sämtliche Sportarten ausprobiert, aber richtig durchgehalten habe ich bisher nichts. Das soll sich ändern, wenn ich wieder in Deutschland bin! Hier bei meinem Auslandsjahr in Lyon habe ich nämlich auch etwas an Gewicht zugelegt, sodass ich das gerne wieder runter hätte. Bin gespannt auf deine ehrlichen Fortsetzungs-Posts!

  7. Antworten

    Katta

    20. April 2016

    Ich bin gespannt auf weitere (sportliche oder auch unsportliche) Beiträge dieser Art freuen!

  8. Antworten

    Mareen

    20. April 2016

    Gute Einstellung.

    Persönlich mache ich seit Jahren Sport, bin ausgebildete Tänzerin und trainiere 4x die Woche. Viele bewundern mich, aber für mich ist es normal geworden und manchmal fühle ich mich unwohl, wenn die Leute mich angucken wie einen Freak. :D Allerdings denke ich auch, dass man irgendwann die Belastung, den Muskelschmerz und das Abreagieren braucht. Sport hat nicht nur was mit Gesundheit zu tun, sondern auch mit Spaß, Ästhetik (im Tanz) und Kompensation. Tendenziell bin ich sowieso für mehr Sport in der Gesellschaft. Den ganzen Tag vorm PC hocken kann nur nach hinten losgehen!

    Ich wünsche dir viel Erfolg – go for it ;)

  9. Antworten

    Jenny

    20. April 2016

    Klasse Post und ich kann dich so gut verstehen!
    Am Anfang bin ich auch ganz vielen Accounts mit tollen Bauchmuskeln gefolgt, aber im Moment entfolge ich eher. Ich bin eine normale Frau, mit einem Vollzeitjob, einem Blog und einem Mann – ich habe schlichtweg einfach nicht die Zeit 2 Std am Tag ins Fitnessstudio zu gehen! Ja ich mache gerne Sport, aber das musste ich viele Jahre lang lernen!
    Ich wünsche dir ganz viel Erfolg auf deiner Reise!
    LG Jenny
    http://www.fitandsparklinglife.com

  10. Antworten

    Stephie

    20. April 2016

    Toller Post! Schön das du deine Motivation gefunden hast zum Sport und der Ansatz es für seine eigene Gesundheit zu tun, ist der Beste.
    Bei mir musste ich feststellen, dass es nicht unbedingt daran lag, dass ich mich grundsätzlich nicht bewegen wollte, sondern immer an der falschen Sportart. Joggen ist zum Beispiel gar nichts für mich, es macht mir einfach keine Freude. Ich glaube dass es für Jeden die passende Sportart gibt, zu der man sich dann nicht zwingen muss, da man sie gerne macht.

    Viele Grüße
    Stephie

  11. Antworten

    Sabrina

    20. April 2016

    Toller Post und sehr motivierend.

  12. Antworten

    Jasmin

    20. April 2016

    Sehr cooler Post und gute Einstellung :) ich hab vor 3 Jahren angefangen regelmäßig Sport zu machen weil ich ständig Rückenschmerzen hatte, von zu wenig Bewegung. Bzw zu wenig gezielten Übungen. Bisschen mit dem Hund spazieren gehen reichte da nämlich nicht. Jetzt gehts mir gesundheitlich gut, mach 2 mal die Woche Yoga und Pilates und manchmal auch nur einmal in der Woche. Ganz selten mache ich gar keinen Sport weil ich es dann sofort merke, dass mir dann der Rücken schmerzt und bevor das passiert, mach ich lieber ein bisschen Sport, besser als gar keinen. Wünsche dir viel Erfolg bei deinem Vorhaben und Motivation! Bin gespannt was du zu berichten hast :)
    Hier ist übrigens meine „Sport Story“ inklusive Anfänger Übungen im Yoga und Pilates: http://nimsajx.blogspot.de/2015/03/happy-fit.html

    Liebe Grüße
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

  13. Antworten

    liola

    21. April 2016

    Ich habe es auch oft probiert und bin oft gescheitert
    Ebenfalls an der falschen Motivation
    Seit einem Jahr klappt es, Dank poledance und einer guten routine
    Einfach immer vorm duschen bisschen Sport machen – und aufeinmal war Routine drin
    Hauptsächlich hat sich in mir was geändert
    Ich habe nicht viel abgenommen, Aber viel Muskeln zugelegt, Die viel können
    Und das ist mir wichtig
    Nicht wie ich aussehe, sondern was ich kann
    Und das liebe ich! Ich liebe meinen Körper dafür

  14. Antworten

    Nele

    22. April 2016

    Hei!
    Das ist so ein erfrischender, ehrlicher Post! Es ist so gut zu lesen, dass man nicht der Einzige Mensch auf diesem Planeten ist, der Sport… Naja… Du weißt schon :D
    Du hast natürlich Recht, wer sein Leben lange genießen möchte, muss Sport machen.
    Ich habe Ewigkeiten versucht, mich durch Social Media zu motivieren, aber diese Motivation hielt nie länger als ein bis zwei Wochen. Bis heute wusste ich nicht so recht, was mit mir nicht stimmte, aber du sagst es: Das ist alles, aber nicht das real life. Ich schaffe es nicht, jeden Tag auch nur 15 Minuten irgendwelche Crunches, Planks oder was weiß ich für Hampelmänner zu machen und schon gar nicht schaffe ich es, mich jeden Tag „clean“ zu ernähren. Geht nicht. Ich brauch zwischendurch mal ein Franzbrötchen, etwas deftiges und vor allem Schokolade. So sehr ich mich bemühe, ich schaffe es nicht ansatzweise, so perfekt zu sein, wie die Leute, die mir jeden Tag aufs neue diesen Bären auf die Nase binden wollen, der besagt, dass all der Zirkus furchtbar leicht sein soll…
    Jetzt wo du mir das klar gemacht hast, nervt es mich richtig, dass ich so lange darauf gebaut habe…

    Trotzdem werde ich mich in nächster Zeit wohl auch nicht auf Sport konzentrieren können und wollen. Ich bin einfach froh, wenn ich zuhause bin oder mal die Zeit habe, überhaupt etwas zu unternehmen…

    Trotzdem hat mir dein Artikel sehr gut gefallen und ich freu mich, deine Reise mitzuerleben. Toll, dass du den Mut hast, gegen den Strom zu schwimmen und dein Ding zu machen! <3

    Liebst, deine Nele
    nureinfoto.blogspot.de

  15. Antworten

    Anny & Alex

    26. April 2016

    Liebe deinen Blog ! xx

  16. Antworten

    Jacky V

    4. Mai 2016

    Wenn man einmal den Dreh raushat, dann ist Sport wirklich easy ins normale Leben zu integrieren.
    Wünsche dir ganz viel Erfolg dabei :)

    xx,
    Jacky

    My photography-blog: http://www.vifer-photography.blogspot.com

  17. Antworten

    Janina*

    18. Mai 2016

    Ganz ehrlich?
    Das find‘ ich super!
    Meine neue Wohnung ist im 2. OG und ich komme tatsächlich immernoch nach jedem Treppengang schnaufend oben an. Dabei ist es einfach nur das verdammte zweite Obergeschoss. So langsam komme ich auch an den Punkt, dass ich mich mit meinen Speckröllchen ‚akzeptiere‘ (bzw ich akzeptiere, dass mir geiles Essen einfach wichtiger ist, als täglich Sport zu machen und auf meine Ernährung zu achten). Dennoch würde ich mich gerne fitter fühlen. Leistungsfähiger.
    Also bin ich wirklich auf deine Beiträge dazu gespannt! :)
    Btw – rauchst du eigentlich noch?

    Lieben Gruß
    Janina

  1. Antworten

    Fit: My Los Angeles Workout Playlist - It's Alix

    23. April 2016

    […] Playliste, mit der ihr den Sommer auf die Ohren und Motivation in die Beine bekommt. Denn nicht nur Angela hat die Sportwut gepackt, wir können alles was machen und mit der richtigen Musik ist es immer […]

  2. Antworten

    Fitness für Sportmuffel: Ausreden über Ausreden | ANGELADOE.COM - Vegan Blog München // Fashionblog

    16. November 2016

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