Chiemsee Summer 2015 – Infinite

Chiemsee Summer 2015 – Infinite

Ein Bild, das alles sagt – mit Laura <3 // Foto by Simon Lohmeyer 

Es ist sieben Uhr Morgens auf dem Chiemsee Summer und ich stehe immernoch mit den beiden Barjungs an unserem Lagerfeuer im Hüttendorf. Außer uns Dreien ist keiner mehr wach, und ich frage mich jetzt schon, warum ich mir das antue, warum ich mich gerade heute (oder sagen wir, gestern) dazu entschlossen habe so sau viel zu trinken. Ich trinke so selten, dass ich das Gefühl von einem Kater schon gar nicht mehr kenne. Aber ab dem Moment, als ich den Gesichtsausdruck in den Augen des Einen sah, als ich mein Lieblingslied über meine Box spielte, hatte ich das Bedürfnis, noch ein bisschen Zeit mit diesen beiden Vögeln zu verbringen. Einfach so, weil Musik verbindet. Und wir sind immerhin auf einem Festival. Musik war das, was mich hier mit allen verbunden hat, und warum ich genau jetzt einfach noch nicht schlafen möchte. Wenn ich schlafe, dann ist der letzte Tag angebrochen, und der soll bitte niemals kommen. Der Eine lallt irgendwas, und ich unterbreche ihn, weil mein Blick auf das Alpenpanorama unter dem rosanen Himmel fällt, welches hinter hunderten von Zelten, einem Riesenrad und dem bunten Bauzaun emporragt. „Jetzt mal ehrlich, du als Berliner“, sage ich, „findest du das nicht unglaublich?“ Keine Antwort. Ich glaube, er hat genickt.
Der Andere greift nach meinem Arm und sagt, wir sollten mal loslaufen, über den Zeltplatz, mal gucken ob wir die anderen fünf Prozent finden, die noch wach sind. Und weil ich mir einbilde, dass das wirklich eine ganz grandiose Idee ist, machen wir das.

Die Essensmeile ist wie ausgestorben. Das einzige, was zu hören ist, sind klappernde Dosen, die in Mülltüten geschmissen werden und Besen, die über den Boden fegen. So viel Ruhe zwischen so vielen Menschen. Am Eingang zum Gelände treffen wir auf die Security-Dame, mit der wir uns irgendwie angefreundet haben. Sie lächelt. Auch von der Klofrau habe ich immer ein Lächeln bekommen, eigentlich hat hier jeder immer gelächelt. Vor allem ich. 
Das riesige Feld vor der Bühne ist ebenfalls leergefegt, und ich kann nicht anders, als jetzt schon mit dem Vermissen zu beginnen. Wie oft ich hier rübergelaufen bin, wie viel ich hier getanzt habe, wie SAU GEIL das alles einfach war! Ich möchte die vielen Momente der letzten Tage gerne einatmen und bei mir behalten, aber sie sind so schnell vorbei – eben wie ein Atemzug. Und Luft anhalten kann man nicht ewig.

Ich gebe zu, ich hatte ein bisschen Angst vor diesen fünf Tagen. Davor, mit acht anderen Mädels und Jungs in einer kleinen Hütte zu verbringen, obwohl wir uns doch eigentlich gar nicht kannten. Da kann so vieles schief gehen, man sitzt irgendwann zu viel aufeinander, man zickt sich an – und nichts davon ist passiert. Gar nichts. Mit jedem Tag habe ich mich wohler gefühlt, und schon am Dritten haben Michi und ich beschlossen, dass wir eigentlich gerne noch länger bleiben würden.

Ich werde so vieles hier vermissen. Küsschen von Verena, tanzen mit Laura, Riccis bewundernswerte Lebenseinstellung, Anja und Eileens Mut, Michis großes Herz, Sophias betrunkene Snaps und Sandras Rock ’n Roll Momente. Ich werde die Panoramabar und ihre Aussicht vermissen, die Schweizer von Nebenan und den Blick auf die grandiose Deichkind-Party.

Und dann merke ich plötzlich, dass es Zeit ist, zu gehen. Mein Körper fährt auf einmal runter. Es fühlt sich so an, als hätte er die letzten fünf Tage genau auf diesen Moment gewartet, an dem ich zur Ruhe komme, um krank zu werden. Ich hatte schon die ganze Zeit so ein bisschen Schnupfen, so ein bisschen Kratzen im Hals, so ein bisschen Kopfweh – aber ich hab‘ mir einfach gesagt, nö, nicht jetzt. Jetzt, am letzten Tag, hat er genug, und das ist okay. Ich verabschiede mich von meinen beiden kurzzeitigen Weggefährten, laufe durch die Morgensonne zurück in unsere Almhütten-Welt und klettere mühsam in meine kleine Schlafhöhle im ersten Stock der Hütte. Alle schlafen. Michi babbelt etwas, bestimmt träumt er wieder. Vielleicht träume ich ja auch was.

Was schönes, bestimmt.

Chiemsee Summer Festival 2015 Chiemsee Summer Festival 2015

Verena, Ricci, ich, Michi & Sophia im Stroh. Keine Ahnung, warum da Stroh liegt.

Chiemsee Summer Festival 2015

(Noch) mehr Fotos findet ihr übrigens auf Instagram :)

Chiemsee Summer Festival 2015

Laura, stilecht im roten Kleid und Adiletten ;)

Chiemsee Summer Festival 2015

Michi, Sandra, Laura, ein paar Gläser Wein und ich auf der Panoramabar

Chiemsee Summer Festival 2015

 

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Cro-Moment für Ricci

heart