Tanz mal drüber nach

Tanz mal drüber nach

Ich stehe direkt neben unserem Deckenhaufen, auf dem sich meine liebsten Freunde tummeln, Bier trinken, sich im Arm halten und lachen. Ich bin aufgestanden, weil ich mich mal wieder nicht halten konnte. Es wummert so laut, dass ich meinen eigenen Atem nicht höre und nicht merke, ob er langsam knapp wird. Die Schuhe habe ich ausgezogen. Ich schließe die Augen und tanze blind, weil ich manchmal glaube, ich würde die Musik so noch mehr spüren. Als ich sie kurz wieder öffne blicke ich in Chrissys Gesicht, die mich vom Boden hoch anstrahlt und sagt, es sei so schön mir zuzusehen.

Als ich letztes Jahr meine Liebe zu Open Airs und Techno entdeckte schrieb ich nicht viel darüber. Obwohl es Monate lang das war, was ich am Liebsten tat, obwohl es das war, was mich über Liebeskummer und Enttäuschung hinwegtröstete, obwohl es das war, was mich in dieser Zeit am meisten prägte und veränderte. Bevor ich mich auf elektroniche Musik einließ konnte ich nichts mit ihr anfangen. Gar nichts. Utz, utz, immer das gleiche, meistens kein Text, wie langweilig. Heute denke ich mir: Wie konnte ich nur 23 Jahre meines Lebens ohne das hier leben? Ich meine, es gab schon immer Musik die mir ins Mark ging. Die mich berührte, mich zum weinen oder lachen brachte, die mich vergessen oder erinnern ließ – aber ich finde heute keinen Songtext mehr, der mich erschüttert wie der richtige Bass im richten Beat. Worte können viel, Raptexte können viel, aber meine eigenen Gedanken kann ich nur in elektronische Musik interpretieren. Und sie nervt mich niemals, ich kann mich nicht an einem Song „tothören“, wenn es mich einmal zum tanzen brachte, wird es mich immer zum tanzen bringen. Sie geht mir nicht nur ins Mark, sondern in Herz, Kopf und vor allem in die Beine. Egal, mit was ich mich gerade beschäftige, ob ich allein bin oder in Gesellschaft, wenn ich einen Beat höre der mich berührt drifte ich ab, schließe die Augen, spitze meinen Mund so seltsam und bewege zumindest meine Finger im Takt. Und egal in welcher Gesellschaft ich mich befinde und genau so dastehe, zieht es die Menschen an, die das Gefühl kennen. Wie oft ich schon abgedriftet bin und mich im Nachhinein mit einem Widfremden über eben diese Musik unterhielt. „Ich hab’s gleich in deiner Körperhaltung gesehen“, hat mal jemand zu mir gesagt, „dass du das genau so feierst wie ich“.

Ich habe immer noch Angst davor, dass es da Draußen zu viele Leute gibt, die all das nicht verstehen. Die elektronische Tanzmusik nicht verstehen und solche Posts nicht lesen wollen. Aber ich habe mir vorgenommen, in Zukunft nur noch über das zu schreiben, was ich Liebe – und Techno gehört nunmal dazu. Zu mir und meinem Leben. Ich wünschte manchmal, Gruppierungen verschiedener Musikrichtungen würden sich gegenseitig nicht immer so schrecklich abfucken. Wenn mir jemand erzählt, er bekomme bei Helene Fischer Bauchkribbeln, dann kann ich das vielleicht nicht verstehen – aber ich wüsste nicht, warum ich denjenigen dafür verurteilen sollte, dass er eine Musik mag, mit der ich nichts anfangen kann. Wenn ich jemanden sehe, der bei Black Metal die Augen schließt und seine langen Haare so lang herumwirbelt bis er schweißgebadet dasteht, dann freue ich mich mit ihm.

Denn was gibt es schöneres, als Musik nicht nur hören, sondern auch fühlen zu können?

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Letztes Wochenende war wieder Back to the woods – eine wunderbare Veranstaltung von Kellerkind. München ist vielleicht nicht bekannt für seine Technoszene, aber es gibt Gott sei Dank ein paar Jungs und Mädels, die immer wieder großartige Veranstaltungen aus dem Boden stampfen. Falls ihr mal mit dabei sein wollt: Früh genug die Veranstaltung entdecken und rechtzeitig Karten kaufen! Die gehen weg wie warme Semmeln. ;)

Mehr schöne Bilder vom Event findet ihr hier und hier!

(Und hier noch ein Song, bei dem ich beispielsweise niemals ruhig sitzen könnte. ;))

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